Emma Ruth Rundle ist in sprichwörtlich mörderischen Zeiten ein wunderbares neues Album mit Band gelungen. In den fünf Jahren seit »Engine of Hell« war sie überwiegend solo unterwegs gewesen. Dem experimentellen Gitarrenalbum »EG 2: Dowsing Voice« (2022) folgte 2025 ihr Piano-Soundtrack »The Bella Vista« als Begleitung zum gleichnamigen Gedichtband. Mit »These Killing Times« knüpft Rundle nun wieder stärker an ihre großen Alben mit Band, »Marked for Death« und »On Dark Horses«, an. Dynamisch abwechslungsreich, atmosphärisch dicht. Gleich in den ersten Zeilen des Openers »Powerless« werden Welt- und Lebenslage zusammengedacht und Polaritäten zusammengebracht: »Power corrupting, you had my trust. Empire collapsing, everything dust.« Im Ringen um Agency werden die Möglichkeiten zwischen Macht und Ohnmacht abgeklopft: »Let me lie here with this hammer in my hand. One for breaking, one for building something better.« Im darauffolgenden Song »God’s Picture« hämmert Rundle gleich direkt an die Himmelspforte: »Lord! Give us more! Not hegemony! Not disorder! Lord, give us more!« Musikalisch lassen sich nach wie vor Einflüsse von PJ Harvey und Tori Amos, von Geraldine Fibbers mit Carla Bozulich, also den besseren Seiten der 1990er-Jahre, herbei assoziieren. Wer glaubt, ohne Inspirationsquelle auszukommen, werfe den ersten Stein – und verharre in der Illusion einer creatio ex nihilo. Vergleiche braucht Rundle jedenfalls keine zu scheuen und kann nach Belieben aus ihrem eigenen, über 15 Jahre gewachsenen Klangkosmos schöpfen. »These Killing Times« ist abwechslungsreich genug ausgefallen, um auch nach mehreren Durchläufen noch die Aufmerksamkeit auf einzelne Songs zu ziehen. »Don’t Delay Heaven« ist ein nicht zu unterschätzender Ruhepol. In »Enough« braut sich im dunkel-folkigen Teil zusammen, was sich in einem free-jazzigen Gewitter mit Saxofonist Patrick Shiroishi entladen wird. Ein Name, den man sich merken sollte und der u. a. auf Bonnie »Prince« Billys aktuellem Live-Album »Ghosts of American Psychonauts« zu hören ist. Emma Ruth Rundle beschließt dieses Meisterwerk von einem Album stimmigerweise mit einer offenen Frage: »What will we live for beyond the valley of the shadow of the fear of all men?« Auf die Frage, wie es mit Konzerten in unseren Breiten aussieht, gibt es bereits die ersehnte Antwort: Emma Ruth Rundle wird mit Band am 28. März 2027 in der Wiener Arena gastieren – mit Support von Cinder Well, die mit ihrem aktuellen Album »A Blooming Body« unterwegs ist.
Emma Ruth Rundle
»These Killing Times«
Errant Child
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