King of Japan

»Mass in Heavy Minor«

Echokammer

King of Japan erfinden sich als Hardrock-Band neu: nach den grandiosen Disco-Versionen gro&szliger Stadion-Rock-Hits der Vorgängerband Queen of Japan und den poppigen Covern alter Rock-Klassiker der ersten Platte geben King of Japan nun straighten 70er Jahre Hardrock bzw. frühen Heavy Metal zum Besten. Und das ziemlich amtlich und inklusive aller Klischees, von der Double-Bass über den emphatischen Gesang bis zum Gitarren-Gegniedel: Pathos, Muckertum und Männerschwei&szlig geben sich den Gasdrehgriff in die Hand. Und obwohl es diesmal ausschlie&szliglich Eigenkompositionen sind, bleiben sie den gro&szligen Rock-Hymmnen treu: Songs wie »Satan Can’t Boogie« oder »Reborn to Be Wild« würden auch im Stadion problemlos funktionieren. Der Musik hört man kaum an, dass die Band – bestehend aus Franz Adrian Wenzl (sonst u. a. Kreisky, Austrofred), Hans Platzgumer (sonst u. a. inaktiv-Goldene Zitronen, Convertible), Albert Pöschel (sonst u. a. Echokammer-Labelchef, Dis*ka), und, neu dabei und die Drum Machine durch ein Schlagzeug ersetzend, Thomas Wühr (aka Tom Wu, sonst u. a. das wei&szlige Pferd) – natürlich das Wissen um die Lächerlichkeit vieler Hardrock- und Heavy-Metal Bands, wie sie etwa in der legendären Fake-Doku »This Is Spinal Tap« vorgeführt wurde, mit sich trägt. Es ist schon etwas Schade, dass der Glamour und Pop-Appeal des ersten Albums nun ganz verschwunden ist. Und das Alles wäre auch ziemlich schrecklich, wenn es nicht doch einen Twist gäbe, und den gibt es bei King of Japan natürlich immer: »Mass in Heavy Minor« ist nämlich, wie es der Titel schon klarmacht, eine Rock-Messe, ein »musikalisches Gebet«, wie die Band selbst sagt. Und das ist dann schon ziemlich lustig, wenn Zeilen wie »Motor is Running, Saviour is Coming« gekreischt werden, oder »Kyrie Eleison« durch den Rockwolf gedreht wird und Wenzl mit »Kyrie eleison, funky eleison« und »Come on, everybody eleison« den ekstatischen Hardrock-Sänger mimt. Und da stimmt dann auch auf einmal das Konzept, das Sich-Bedienen an all diesen Hardrock-Klischees. Denn einerseits ist das die Umkehrung der tendenziell antichristlichen (oft satanistischen oder aber keltisch-mythischen) Seite von Hardrock und Metal, andererseits ist es auch ganz offensichtlich kein Christian Metal, den es, oh Widerspruch aller Widersprüche, ja auch gibt. Und damit ist es trotz aller Schwei&szligtreiberei eben doch kein authentizistisches Muckertum, mit dem wir es hier zu tun haben, sondern Spa&szlig daran, sich einmal nicht ums schon verinnerlichte Subkultur-Reglement zu kümmern. In voller Länge wird man sich das wohl trotzdem selten anhören, live – wie zum Beispiel bei den spontanen Release-Auftritten am Münchener Stachus und in der U-Bahn – macht das aber schon mehr Laune.