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Wir halten uns an das Stichwort von der »bacchantischen Trauer«. Von der griechischen Gottheit der hochprozentigen Wonnen hergeleitet, ist der Bacchant ein Trinkbruder, zur Ausschweifung und Ausgelassenheit neigend. Die bacchantische Trauer, von der im Booklet dieser Doppel-CD die Rede ist, meint also eine Art Weinseligkeit, ein tränenreiches Herumlallen im Vollrausch. Wenn im »Herz.Bruch.Stück«-Teil dieser CD ein bzw. das klassische »Heurigengstanzl« schwungvoll eingeleitet wird, dann instrumental zerlegt, in ziselierte Soundbestandteile fragmentiert wird, um daraufhin umso gstanzlseliger wieder in Fahrt gebracht zu werden, ist im Grunde alles geklärt. Die Hannes Löschel Stadtkapelle frönt dem Wiener Lied revisited, zwischen Schubert und Villon, zwischen Volkslied und Improvisationskunst. Das ergibt zunächst einen frischen Zugang, ein großartiges Verwischen von Genregrenzen, das in beide Richtungen markige Impulse bläst. Die zweite CD, »Im Wirtshaus«, steht allerdings fast ausschließlich unter dem Stern Schubert, mehr gesprochen als gesungen von Klemens Lendl – und weitaus weniger improvisationsaffin. Da funktioniert der frische Wind nur teilweise, was aber vielleicht daran liegen mag, dass erst kürzlich eine wesentlich frechere Liedüberschreibung von Bernhard Schütz und Reinhold Friedl zu hören war. Es ist insgesamt eben doch viel Trauer und Tristesse in diesen Wirtshausstimmlagen verpackt – und das auf ziemlich intellektuelle Weise, darum auch die Rede vom Bacchantischen … statt einfach nur von der b’soffenen G’schicht. Aber so ist das eben, wenn man zwischen ernster und unterhaltender Musik herumtorkelt. Da fällt es mitunter schwer, sich zwischen Strenge und Ausgelassenheit, zwischen Knall und Fall zu entscheiden. Aber dieses Zögern geschieht hier natürlich auf höchstem Niveau und mit höchster Kunstfertigkeit. Hicks.

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