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Die beiden aus Sarajevo bzw. der Schweiz gebürtigen Wiener Vlado Dzihan und Mario Kamien legen zwei Jahre nach dem international wohlwollend aufgenommenen Album »Freaks & Icons« mit »Gran Riserva« ihre bislang wohl tiefschürfendste Arbeit vor. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil sie für das neue Album ihre eigenen familiären Wurzeln erforschten, sprich: sich der Musik ihrer Väter zuwandten, die in den 50er und 60er Jahren als Berufs- und Gelegenheitsjazzer tätig waren: Dzihan senior brachte es als Schlagzeuger gar zum Beinamen »Joe Morello des Ostens« . Mit diesen Materialien und persönlichen Reflexionen machten sich die beiden an die Arbeit, verschränkten die jazzigen Samples der väterlichen Originaltapes gekonnt mit im Studio eingespielten Instrumentalpassagen und betteten diese in geschmackssicher choreographierte Tracks aus Dub, House und TripHop. Einige gestandene Jazzer der Wiener Szene, etwa Count Basic-Keyboarder Dieter Kolbeck, Bassist Achim Tang oder Drummer Walter Grassmann wurden aufgeboten, als Stargast war Perkussionist Sammy Figueroa mit von der Partie, der einst schon für Miles Davis und Davis Bowie trommelte. Die besten Vocals stammen von Ma.Dita (»Drophere« , »Thrill« ), besonderen Reiz erfahren die Tracks freilich – wie immer bei dZihan & Kamien – durch die Einflechtung orientalischer Farben und Trouvaillen: türkische Streicherensembles und nahöstliche Vokalisen aus dem Sampler sorgen für nostalgische, atmosphärisch dichte Momente inmitten der programmierten Raffinesse.
Zwei der stärksten Tracks, Opener »Stiff Jazz« sowie »Ford Transit« finden sich bereits in bearbeiteter Form per Maxi-CD veröffentlicht: Ersterer von Richard Dorfmeister und Rodney Hunter persönlich in einen kaum wiedererkennbaren, dichten House-Dub-Track umgebaut, zweiterer von Howie B erst in seine Einzelbestandteile zerlegt, dann zu anschmiegsamen Chill-out-Schleifen collagiert.

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Text
Andreas Felber

Veröffentlichung
29.10.2002

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