Babazula

»Gecekondu«

Essay Recordings

Natürlich kam Babazula, mit türkischen Filmmusikpreisen ausgezeichnet, in Fateh Akins Istanbul-Sound-Doku »Crossing The Bridge« (2005) eine wesentliche Rolle zu. Die im Kern aus Murat Ertel (Voc, Saz sowie meist elektrisch verstärkte Saiteninstrumente, Oszillator, Theremin) und Levent Akmann (Perc, Holzlöffel, Machines und Toys) bestehende Psychedelic Rockband ist in einer Position, wo sie auch als kritischer Zeitgeist wahrgenommen wird. So widmet sich das 2011er Album den laut Stadtverwaltungen illegalen Gecekondus. ?bersetzt bedeutet das so viel wie »nachts hingestellt« und bezeichnet eine informelle Siedlung, ein nicht der administrativen Raumplanung unterworfenes Viertel mit primitiven Unterkünften in der Peripherie von türkischen Gro&szligstädten wie Ankara oder Izmir. Diese nicht als Slums zu verstehende Stadtrandgemeinschaften werden oft sich selbst überlassen und nur dann zwangsgeräumt, wenn massive Kapitalinteressen im Spiel sind. Babazula waren natürlich auf der Seite der delogierten Roma Istanbuls und sehen im Gegensatz zum Politikmainstream in Gecekondus auch eine wild gewachsene Schönheit. Gastmusiker auf  »Gecekondu« sind u. a. Mitglieder von Babazulas Tourband, Titi Robin, Alcalica, Serra Yilma, Cem Yildiz und Dr. Das von Asian Dub Foundation, was darauf verweist, dass Babazula infolge ihrer oftmaligen Kollaborationen mit Mad Professer als Pioniere des Oriental Dub gelten. Doch ist ihr Sound vielseitiger. Begriffe wie Urban Psychedelic Folk greifen zu kurz. Vielleicht sollte man von vielschichtigem Turkish Underground Sound – der sich aufgrund zahlreicher »okzidentaler« Ingredienzen wunderbar in westlicheren Wohnzimmern fortpflanzt – sprechen.

»10.04.2012 baba zula live@wuk