Michael Price

»Entanglement«

Erased Tapes Records

So klingt ein selbsterfüllter Herzenswunsch. Der Komponist und Erfüller ist der Brite Michael Price, den mehr Leute kennen, als sie glauben, schließlich hat Price den Soundtrack für die BBC-Serie »Sherlock« geschrieben. Nicht eine dieser alten faden BBC-Serien, sondern das herrlich überdrehte Update, das Benedict Cumberbatch und Martin Freeman nach Hollywood katapultierte. Apropos Hollywood: Price werkte auch am Soundtrack zum »Herr der Ringe« mit, immerhin einer der erfolg- reichsten orchestralen Soundtracks der letzten Jahrzehnte.
»Entanglement« atmet ein wenig von dieser erfolgsverwöhnten Selbstsicherheit, verknüpft dabei aber sehr traditionelle Methoden (etwa die speziell für den Cellisten Peter Gregson und die Sporanistin Ashley Knight geschriebenen Passagen bzw. Stimmen) mit Spielereien, die man eher aus der Experimentalmusik kennt (z. B. kommen auf einem Stück Fieldrecordings, auf einem anderen ein Magnetplatten-Spieler der Vorkriegszeit zum Einsatz). Doch schlägt sich diese Verspieltheit nur bedingt in einer kompositorischen Synthese oder Neuerfindung nieder, viel eher ist Price ein Freund der nostalgischen Klangmalerei, aber natürlich nur in gebürsteter und reduzierter Form, sonst wäre das Resultat ja eine Art nachwagnerianischer Kitsch. Hier stehen wir aber eher an einer kompositor- ischen Kreuzung, die Philip Glass mit Ludovico Einaudi oder Nils Frahm mit Hans Otte verbindet. Wobei der damit unterstellte Minimalismus im Hintergrund bleibt und eher als Verweis auf das meditative Element in Prices Music zu verstehen ist.
Diese Brücke zwischen Meditation und klassischer Klangskulptur ist es wohl auch, die für die teilweise hymnischen Kritiken sorgt, die dem Werk nachgeworfen werden. Tatsächlich betritt »Entanglement« aber kaum musikalisches Neuland, es sind in gewisser Weise immer noch Sound- tracks, nur ohne melodramatische Einschübe. Man darf Price aber keinen Vorwurf dafür machen, dass die Fachpresse gleich mit hymnischen Kritiken um sich wirft. Ein Nils Frahm oder ein Luigi Archetti haben halt keine Blockbuster-Soundtracks komponiert.