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Wenn Musiker in ihrem Habitus als Künstler plötzlich Stellungnahmen zur Politik machen mutet dies zumeist seltsam an und treibt obskure Blüten. Dann gibt es Ausnahmen. Die armenisch-stämmige US-Band von und mit Serj Tankian, System Of A Down, tritt engagiert für ihr Heimatland und vor allem für die Anerkennung des Genozids anno 1915 ein. Auch sonst agiert man unauffällig, aber umso effektiver in Non-Profit-Organisationen. Und konterkariert so fein das Klischee des rüpelhaften, unkultivierten Rockstars welcher nur auf Konsum, Sex, Drugs & Rock’n’Roll aus ist, sofern man die Band als solche sieht.
So laut die Musik von System Of A Down, so wenig hört man aus dem Privatleben bzw. so leise tritt die Band im Privatleben auf. Nun begibt sich Frontman Serj Tankian auf Solopfade und er wandelt auf diesem Grat sehr sicher. Der umtriebige im Libanon geborene 40-jährige Poet verfügt über einen Bachelor of Arts in Business Adminstration, hat eine Software-Firma gegründet und ein lyrisches Buch herausgebracht. Und jetzt versucht er sich ohne den Support seiner Band. Fast alle (!) Instrumente streichelt er selber. Laut, lyrisch, voller Poesie ist dieser Silberling. Die elegant wechselnden Rhythmen sind ein Genuss und tun das wofür dieses Album wohl geschaffen ist: Zum Nachdenken anregen. Die Bandbreite seines Timbres ist gewaltig und gleichsam beeindruckend erscheint die eloquent intellektuelle Wortwahl. Allerdings lässt sich kein allzu großer Unterschied zum sonstigen Gefiedel seiner Band erkennen, alles klingt sehr ähnlich. Solide produziert. Ich will es mit einer Allegorie versuchen. Gleich einem Auge des Tornados sitzt man ruhig da, legt die Platte ein und gerät Schritt für Schritt raus aus der Pupille, mitten in das Epizentrum des Wirbelsturms. Es blitzt, es donnert, es hallt für 50 Minuten in den Boxen, in der Wohnung, im Kopf und dann ist es auch schon vorbei. Diese CD ist, wenn man so will, ein akustischer Tsunami.

>> http://www.serjtankian.com/

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Text
Kain Elefterios

Veröffentlichung
02.11.2007

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