Balduin

Creative Cookery

Crippled Dick Hot Wax

Fett und sämig. Maitre Balduin zwirbelt ein breites Areal jazzblubbernden Allerleis zu einem zünftigen Sößchen, das man eher bei K7!, Ninja Tune oder Pork oder von Ian Simmonds oder Funki Porcini vermutet hätte. Den Plattenflohmarkt plündern und in gleichgroße Stücke wechselhaft pulsenden Downbeats zu schneiden mag heute nicht das originellste Handwerk sein. Aber Schweizer erfreuen sich ja schon selbst am Volksklischee der Präzision und Verschrobenheit. Ähnlich dem beim Wiener Label Klein aufgelegten Landsmann Seelenluft, vielleicht etwas eleganter als dessen Schrullen, werden hier ausgefallenste Momente der 50-70s-Big-Band-Tanzorchester, Werbejingles, Lifestylesounds (ein Fusion-Freakout-Partikel ist noch das Näheste an unserer Zeitrechnung) in elektroides Treiben, TripHoppendes Grooven, in die organische Klangcollage getrieben. Die breit gesampelten MPS-Größen Peter Herbolzheimer und Dave Pike Set waren Crippled Dicks offensichtlicher wie verdienter Shopping-Grund für den seit 1991 Tapes aus Kratzvinyl und Fliegenpilz trackenden Balduin. Und dabei hält er sich entgegen des K&D-geprägten Trends zum langgetretenen Schönemenschen-Sound in erleichternd kurzen, eben präzis funkenden Grooveminiaturen.