Cel (Felix Kubin & Hubert Zemler)

»S/T«

Bureau B

Das wunderschöne Cover des selbstbetitelten Albums von Cel (Felix Kubin und Hubert Zemler) zeigt jenen Gang im Raumschiff aus Stanley Kubricks Film »2001: A Space Odyssey«, in dem die Stewardess kopfsteht. Sie konnte dies tun, weil Kubrick die Kamera und den im Studio aufgebauten Gang gleichzeitig drehte, während die Schauspielerin immer auf dem festen Erdenrund verblieb und einfach auf der Stelle stampfte. Das sind so diese Tricks der Kunst. Durch solch einen Korridor werden die Zuhörer*innen bei der ersten Nummer der Platte geschliffen, genannt »Ping Korridor«. Vor den geistigen Ohren hüpft ein elektronisch erzeugter Ball rhythmisch auf und ab und obwohl er immer auf der gleichen Stelle aufschlägt, scheint er durch eines dieser 1960er-Jahre-Raumschiffe zu wandern. Überall macht es »Ping« und klappert blechern. Ist ja klar, dass dieses Ding nicht wirklich fliegen kann, und trotzdem schickt es uns auf eine Reise in die frühe und große Zeit der elektronisch erzeugten Musik.

Synästhetisch ist Felix Kubin unterwegs und liefert deswegen »Lichtton«, in dem ein elektronischer Finger immer wieder auf die gleiche Stelle der Stirn tippt und man sich zu wundern beginnt, wie das Licht überhaupt in den Kopf gelangt. Der Drummer Hubert Zemler nimmt die Synthie-Schleifen Kubins bereitwillig und clever auf und treibt mit analogem Drumming durch die Räume. Nach einer Weile bekommt man richtig Lust auf »Popcorn«, aber das ist ein wenig zu trivial, denn die Elektroimpulse und das energische Drumming haben eine Mission: Sie wollen uns durch das gesamte Raumschiff führen und vermitteln dabei ein Gefühl für die Krümmung des Raumes. Vermutlich, weil dieses Raumschiff wurstförmig ist. Wer gerne mit geschlossenen Augen auf Klangreise im eigenen Kopf geht, braucht dieses herrliche Album für den Hausgebrauch. Wer es wagt, die Augen zu öffnen, komme bitte am 18. Jänner 2020 zum skug Geburtstagsfest ins Wiener Fluc, da sieht man dann Felix Kubin leibhaftig auf der Bühne stehen.

Veröffentlichung: 14. Februar 2020