Bon Iver

»i,i«

Jagjaguwar/Verstärker

Bon Ivers neues Album mit dem kryptischen Titel »i,i«, gehört zu den Werken, die von der Kritik entweder in den Himmel gelobt oder total verrissen werden. Weder das eine noch das andere ist nachvollziehbar. »i,i« klingt so, wie Bon Iver eben klingen, vielleicht ein klein wenig fröhlicher als das Vorgängeralbum »22, A Million«. Auch das Cover- und Booklet-Artwork erzählt uns wohl einiges über den Spirit des Albums. Auf der Rückseite der äußersten Hülle der CD – ein durchsichtiger Plastikschuber – sind die Songtitel in unterschiedlichen verspielten Schriften angeführt, dazu lustige Zeichnungen (Weltkugel mit Beinen, Vogel mit Hut …). Auf der nichtbespielten Seite der Silberscheibe tummeln sich bunte Engel und Knochenmänner, die dominierende Farbe des Kartoncovers ist Dunkelbraun. Im Booklet finden sich die im Alternative Mainstream üblichen Collagen, meist Naturaufnahmen, kombiniert mit vom Verfall gezeichneten Gegenständen, also z. B. Wald plus angerosteter Stacheldraht. Wer sich von der Lektüre der Albuminfo Erhellendes erhofft, wird sich schwertun, denn die ist in roter, winziger Schrift auf orangerotem Hintergrund gedruckt und somit so gut wie unlesbar. Bei Lyrics und Line-up haut das Layout aber hin, Schwarz auf Hellrosa ergibt einen augenfreundlichen Kontrast.

Aber eigentlich geht es hier ja um Musik. Beginnen tut das Album mit lautem, kakophonem Getöse, als ob zufällig Hineinhörende gleich abgeschreckt werden sollten. Danach geht es aber recht harmonisch weiter im gewohnten Bon-Iver-Sound, wo einmal Bläser, einmal Streicher, einmal Irritationsgeräusche (sehr dezent) eingesetzt werden, neben den unentbehrlichen Instrumenten wie Gitarren oder Drums. Mal kippt ein Song ins Bombastisch-Hymnische, etwa »Naceem«, mal bleibt ein Track asketisch karg, beispielsweise »Jelmore«. Justin Vernon, der Kopf der Band, schrieb für »22, A Million« fast alle Songs, auf »i,i« ist er kein einziges Mal als Writer angegeben. Seine charakteristische Gesangsstimme jedoch prägt das gute Dutzend Lieder und wie gesagt, Bon Iver klingen wie Bon Iver – also schön und ein ganz klein wenig traurig. Sound und Stimme erinnern oft an Prince, besonders »U« (mit dem alten Haudegen Bruce Hornsby by the way). Im zeitgenössischen Pop scheint es ja ohne Anklänge an die 1990er derzeit nicht zu gehen und auch auf »i,i« kommt z. B. der Einsatz von Synthesizern nicht zu kurz. Irgendwo findet sich sogar ein ziemlich langes Saxofon-Solo, was ja bisher als ur uncool galt. Beim wiederholten Anhören fallen versteckte Finessen ins Ohr, wie eine ein wenig weirde Soundcollage inmitten von »Hey, Ma«. Also öfter anhören lohnt.