Milk+

»Band On Wire«

GoodToGo

Ich kann mich noch gut an mein erstes Milk+-Konzert erinnern. Die Band hatte ihren Namen als Visual auf die Bühne projiziert. Da das »k« in deren Logo etwas seltsam geformt ist, kann man es mit einem »f« verwechseln, was drei Typen neben mir dazu veranlasste, das ganze Konzert durch über den Namen »Milf+« zu lachen. Ziemlich dumm. Allerdings war das Konzert dann auch in etwa so entbehrlich wie der Scherz meiner Standnachbarn. Milk+ wollten mit ihrem Taschenrechner-Rock einfach zu hoch hinaus. Ich lege mit diesem Vorwissen also »Band On Wire« auf, und bin erstaunt, mit welcher Wucht mich The Cooper Temple Clause hier zu treffen scheinen. Als hätte die schwer unterschätzte Band aus dem englischen Reading wieder zueinander gefunden, prügeln sich Milk+ durch einen astreinen Rocksong, der keine Fragen offen lässt. Schon der zweite Track klingt allerdings zum Verwechseln ähnlich, diesmal jedoch mit Mars Volta-Schlagseite. Sind hier zwei Pole der Band umrissen? Leider nein! Milk+ liebäugeln eindeutig mehr mit letztgenannter, ebenfalls aufgelöster Formation; »Band On Wire« wurde gar vom Mars Volta-Intimus Ikey Owens produziert. Freilich hat das Hand und Fuß, das Wiener Trio ist in Österreich mit seinem Stil primus inter dispares. Auf technisch außergewöhnlichem Niveau schütteln Milk+ komplexe Songs wie »Kollaptra« quasi aus dem Ärmel. Teilweise rockt das richtig amtlich (»Elaptophon«), doch auf die gesamte Spieldauer von über 50 Minuten wird »Band On Wire« mit seinen ungeraden Takten und Synkopen dann doch zu einem mächtig anstrengenden Album. Wenn kompliziert, dann bitte gleich Gentle Giant.