Belp

»Aquascalentes«

Schamoni Musik

Von den »Schamonihausener Filmspuren« war ja bereits in skug #97 die Rede. Jetzt kann man den ersten Spuren von dort tatsächlich folgen. Sebastian Schnitzenbaumer eröffnet uns hier eine, mit Hilfe von Dennis Gross vom Reinhold Wagner Orchester, auf Tape produzierte und auf einem italienischen Analogsynthesizer gespielte Musik zu einem nie realisierten Filmprojekt. Die Idee von Peter Schamoni war damals gewesen, Kaiser Barbarossa rund achthundert Jahre nach seinem Tod ins Jahr 1970 auf die Erde zurückzuschicken, um ihn zunächst in Mexiko, Kalifornien und den Philippinen als medialen Superstar zu inszenieren, ihn dabei in dunkle Machenschaften zu verwickeln, und schließlich als tragische Figur und Herrscher der Halbwelt enden zu lassen. Nur Drehbuch und erste Dreharbeiten an diversen Schauplätzen sollen davon übrig geblieben sein, und so gibt es nun statt eines Filmes nur die Musik. Die beschreibt auch eine Zeitreise, führt sich auf wie ein Raumschiff, das einem durch den Körper fährt. Didi Neidhart äußerte sich neulich über diese Platte, als handle es sich wirklich um eine Zeitmaschine. Sie habe ein exaktes Zeitgefühl für die BRD der 1970er, ja man lande mit dieser Platte regelrecht in dieser Zeit. Passenderweise steht »Belp« auch für einen Start- und Landeplatz: es ist der Name vom Flughafen Bern. Musik also, die substantiell wirkt, ohne Rückgriffe auf kulturell codierte Bilder und Restinformationen. Direkt wie ein Transfer in einen anderen Raum hinein. Musik als körperlich erfahrbare Rauminstallation – wir hören das HiFi-Testbild, und es ist mehr als psychedelisch, es ist ein organischer Eingriff. Eine Klangbrücke, die stellenweise an einen Soundtrack von Cliff Martinez für einen nie gedrehten Film von Nicholas Winding Refn denken lässt. Sinuswellen, die einen beeindruckenden Tiefensog erzeugen. Andere mögen es Ambient nennen. Ich nenne es Skulptur. »Belp« funktioniert nicht als Hintergrundmusik, dazu geht ein zu beunruhigendes Gefühl von ihr aus. Das Gefühl, auf einmal eine Persönlichkeit vor sich zu haben. Ist diese Musik erst einmal im Raum, kommt man nicht einfach darum herum. Man muss sich ihr stellen.

Lesetipp: Medien GmbH wird transmedial. Text: Pico Be | 01.01.2014″ target=“_self“ href=“http://skug.at/article7681.htm“>Schamonihausener Filmspuren