Iggy Pop

»Après«

Le Rat des Villes

Les chansons d’amour d’Iggy Pop. Wenn der Grandseigneur des Punk und erklärtes Vorbild der Neigungsgruppe zum »Erhalt von Figur & Körper im Alter« schmachtende Psalme der Liebe neu vertont, so wird der geneigte Rezensent vorsichtig wie hellhörig zugleich. Wo sein letztes, durchaus gelungenes Album »Préliminaires« nach eigenen Angaben noch das Vorspiel zur Romantik repräsentierte, so findet »Après« nun im Anschluss daran statt. Aha, das mag frankophilen Menschen vielleicht sprachlich einiges erklären, musikalisch tut es das etwa, wenn Monsieur Iggy sich über Radio-Wien-erprobtes Songmaterial wie »Everybody’s Talking« (im Original von Fred Neil) oder »Michelle« (The Beatles) haucht. Gelungener sind da schon die Stücke »I’m Going Away Smiling« (Yoko Ono) oder »What Is This Thing Called Love« (von Cole Porter). Wirkliche Highlights sind in erster Linie im französischen Liedgut auszumachen, welches hier re-arrangiert wurde. »La Vie En Rose« von Edith Piaf (das, wie Iggys »Nightclubbing«, in der Version von Grace Jones wohl unschlagbar ist) sowie Serge Gainsbourgs‘ »La Javanaise« sind dabei besonders hervorzuheben. Iggy Pop argumentiert seine Vorliebe für die französische Kultur und deren musikalischen Ausprägungen, weil sie etwa »hartnäckig den Attacken der angloamerikanischen Musikmaschine widerstand«. Der Musikmaschinerie widersteht auch Iggy selbst, besser gesagt: er muss. Das von ihm in Eigenregie produzierte »Après« wurde eingangs nur über die Website vente-privee.com veröffentlicht, da Virgin/EMI das Album als Flop sah und aus Angst vor schleppenden Verkaufszahlen nicht wollte. Das und die Tatsache, dass manche Kritiker im Bezug auf »Après« vielerorts Begriffe wie altersmilde oder Kitsch verwenden, werden ihm letzten Endes wohl herzlich egal sein. So gibt er zum Abschluss mit Frank Sinatra’s »Only The Lonely« den Lonesome Cowboy. Call him Iggy.