Neurosis

A Sun that never sets

Relapse

Mutiger Schritt vorwärts ins Neuklangland. Die kalifornischen Soundapokalyptiker gelten der an Bombast und Brutalität nicht armen Metal-, Progressiv- und Noise-Rock-Szene als einzig legitime Wagner-Posse in Sachen Epochalität und Mindfuck. Was die »Sovereign«-EP aber bereits ankündigte, wird jetzt wahr: Keine Metallercharts kompatiblen 3 Minuten Kracher mehr, wie zu den kurzen Zeiten als Ozzy-Support. Die schreienden, blutenden Brachialepen haben sich in feinsinnige, postrockende Elegien verwandelt. Der Knüppel liegt zwar noch immer nahe der verkrusteten Tribalfäuste, ergießt sich aber komplett in Coil-artig getragene Tristesse und in eine hypersensible Steve-Albini-Produktion ganz fern der üblichen Nacktheit. In Mantras gehülltes Songwriting dominiert plötzlich die alles zermalmende Krachwalze. Steve Von Till croont in einem titanischen Crossover aus Moritatenfolk, Trauergebrüll und Tom Waits durch ein Fallout-Land verkohlter Riffpartikel, die Slow-Motion-Venom genauso nahe stehen wie Mitt-Ära-Pink-Floyd und den langsamsten Bad Seeds-Tracks. »Boatman?s Call« und »Dark Side of the Moon« in erosionspürierter Schreiumarmung. Schönheitstrunkene Killerplatte, die mehrfaches Hören braucht und verdient. Seid vereint, ihr schwarzen Massen!