kishibashi.jpg

Vor ein paar Jahren noch war ich mir sicher, dass irgendwann der Punkt kommen würde, an dem so ein urban-dschungelesker, exzentrisch-polyrhythmischer, multiperspektivisch-polyphoner Brooklyn-Sound genauso eklig sein würde wie, nur mal willkürlich rausgegriffen, Indie oder Trash-Metal oder so Mando-Diao-Rock – und zugegebenermaßen, da gab es ja auch die Local Natives und Reptar. Aber dann kommt 2013 ein Violinenvirtuose aus dem of-Montreal-Umfeld mit einem Debüt daher, dessen Stücke so zielgenau wie die Blaupause dieses Sounds klingen, so unendlich jetzig, aber eben auch, als wären sie schon immer da gewesen (tja, etwa die Hälfte davon ist aus diversen Werbespots auch in fact schon bekannt), nur woanders verstreut, und man denkt sich: »151a«, das könnte tatsächlich der Sound des Jahres sein. Kishi Bashi nennt sich das Projekt von Kaoru Ishibashi, der als klassisch ausgebildeter Geiger hier sehr barock überbordend arrangierten Psych-Pop mit Orchester und Chor, Beatbox und perfekt weirdo umkippenden Melodien präsentiert, die allesamt klingen, als wären Animal Collective, Sufjan Stevens, Final Fantasy die Kinder des Monsieur Mathieu, die gerade völlig verballert die letzte Nacht ihrer Klassenfahrt nach Tokio durchfeiern bis zum Sonnenaufgang. Spektakulär euphorisch, melancholisch, wunderschön!

favicon

Home / Rezensionen

Text
Steffen Greiner

Veröffentlichung
27.04.2013

Schlagwörter

Scroll to Top