Vesselsky//Kühn

»wia waun«

Donauwalzer/Preiser Records

Irmi Vesselksy und Wolfgang Kühn haben wieder zugeschlagen. Allerdings nicht im destruktiven Sinn, sondern ganz im Gegenteil: Nach »wauns amoi so aufaungt« von 2016 legt das hintergründige Duo mit »wia waun« ein zwölf Stücke umfassendes Opus vor, das nahtlos an ihr Debüt anschließt. Auf der Basis von Vesselskys gediegenem Pianospiel präsentieren die beiden Songs, die zwischen Singer/Songwriter, Austropop, Chanson und Kunstlied angesiedelt sind und die inhaltlich fast durchgängig über die großen, ewigen Fragen des individuellen Menschseins meditieren. Schon der Eröffnungssong »Brada Weg« bringt die Diskrepanz zwischen »dem wos i wü / und dem wos i tua« poetisch auf den Punkt. »Cul-De-Sac« thematisiert das manchmal quälende Wissen um die Vergänglichkeit, das Aufwachsen der eigenen Kinder, die größer werdenden Ängste sowie die Frage nach der Möglichkeit, dem eigenen Leben noch rechtzeitig eine Wende zum Besseren zu geben. »Des Lebm« stellt in seiner Erhabenheit in puncto menschliche Ängste, Nöte, Rückzugsbedürfnis und beinahe Verzweiflung ein Schlüsselstück dar. Packen kann man solche Phasen nur, wenn man das Leben als, je nachdem, tragische oder komische Tragödie begreift. Da ist was dran! Textlich ungewöhnlich und dabei äußerst reizvoll ist die Verschmelzung der in waldviertlerischer Mundart interpretierten Teile mit den in englischer Sprache gesungenen. Wobei das »richtige« Singen eher der Part von Vesselsky ist, während Kühn (außer in den mehrstimmigen Passagen) sich eher dem knorrigen Rezitativ widmet. Stilistisch aus der Reihe tanzen das für Vesselsky//Kühn-Verhältnisse mit Überschallgeschwindigkeit daherkommende »Gaunza Hoiwada Tog« sowie das mit Dosenbeats unterfütterte, teils gerappte, zackige »Des Lem is ka Ponyhof«. Auch wenn das jetzt alles ziemlich humorbefreit wirken mag, darf man sich »wia waun« nicht als runterziehendes Depro-Album vorstellen. Es blitzt nämlich nicht zuletzt wegen skurriler Textpassagen immer wieder auch eine gewisse Komik in der Tragik auf (»de spinnwebm san echt, de süwafisch a – wia wauns a tierpark wa«), und wenn man die beiden schon einmal live erlebt hat, ist es gar keine Frage mehr, ob da Selbstironie und hintergründiger, trockener Humor im Spiel sind.