Emir Kusturica & The No Smoking Orchestra

Unza Unza Time

Cabiria/Barclay

Eklektiker, offen für jede Musik. Doch der balkanische Einschlag ist den jugoslawischen Virtuosen nicht auszutreiben. Filmregisseur Kusturicas (g) zehnköpfiges No Smoking Orchestra verfällt den luzidesten Rockriffs, doch volksmusikcodierte Akkordeons oder Violinen drängen aufmüpfig ins Geschehen. Wenn diese dann noch mit südserbischen Romatrompetern wirbeln, ist es wohl nicht nur um südslawische Fans geschehen. »Dance is Sex«, meint Dr. Nelle Karajlic, der angehörs des 2/4-Takt-Bastards »Unza Unza« die erhöhte Protein-Produktion selbst bei Filmbesuchern von »Black Cat, White Cat« wissenschaftlich nachweisen ließ. Naja. Die 1980 von Sänger Karajlic (er nahm 1989 die kommenden Massaker in prophetischen TV-Sketches vorweg) gegründete Anarcho-Punk-Band wandelte sich Kusturicas Einstieg 1986 und der vor den Kriegen erfolgten Übersiedlung nach Belgrad. Referenzen an Strauss, Verdi, Vivaldi oder türkische Märsche gibt es ebenso wie Country- oder Latinzitate. Aber gemäß Ivo Andric, dem großen serbischen Erzähler bosnischer Historie, verankern die Musikanten Universelles in lokalen Geschichten. Die als turbulente, balkanische »Weltmusik für eine Welt in Fetzen« (Liner Notes) dermaßen in die Beine fährt, dass einem schwindlig werden könnte.