Peter Brötzmann

»Two City Blues 1 & 2«

Trost

Kann sich noch jemand an Rupert Heims Triotheorien in Bezug auf Bands wie Firehose oder Meat Puppets erinnern? Der Gute sprach da über Unterschiede von Addition und Multiplikation bei der Interaktion der Musiker. Im vorliegenden Fall können wir froh sein, dass diese drei Spieler keine mehrjährige gemeinsame Praxis auf dem Buckel haben, die Sache ist intensiv genug. Teil eins (Vinyl) bringt die konventionellere Impro-Abteilung und lässt aufblitzen, warum »Blues« im Titel der Veröffentlichung steht. Haino und O’Rourke bleiben hier an den Gitarren kleben und schrauben an den Sounds noch nicht allzu viel herum. Brötzmann stemmt den Hauptteil nacherzählbarer Musik, aber lassen wir das. Deskriptiv fassbarer wird es beim zweiten Teil (CD) nicht. Die 50 Minuten von »Two City Blues 2« sind das klare Zentrum. Ohne Leerlauf spielen die drei hier alle möglichen Ausdrucksformen durch, die das vorhandene Instrumentarium erlaubt. Haino singt wunderschön und schreit, was das Zeug hält, switcht gelegentlich zum Shamisen; O’Rourke treibt seine Gitarre Richtung Science Fiction oder verwendet Slide (remember: Blues); Brötzmann packt auch Tarogato und Klarinette aus und summiert in einer Ayler-artigen Coda mit adäquat spirituellem Tenor diese Sternstunde freier Musik. Die drangepappten sechs Minuten Blow-Out fassen die Angelegenheit mit Understatement zusammen: »One Fine Day«.