Flotation Toy Warning

»The Machine That Made Us«

Hoanzl

Flotation Toy Warning (FTW) treiben ein böses Spiel mit ihren Fans. Damit soll nicht gesagt sein, dass echte Boshaftigkeit dahintersteckt, aber 2004 (nach zwei EPs) mit »Bluffer’s Guide To The Flight Deck« ein beinahe Jahrhundertalbum zu veröffentlichen und dann einfach von der Erdoberfläche zu verschwinden, kann vom Fan schon so aufgefasst werden. Nicht einmal das allwissende WWW spuckte brauchbare Infos zum Verbleib des Quintetts aus, sogar YouTube hatte praktisch nichts von FTW im Angebot. Das alte Sprichwort »Willst du was gelten, mach dich selten« traf im Fall von FTW ins Schwarze. 2005 hat die Band im Rahmen des Bluebird Festivals im Wiener Porgy & Bess die Meute mit einer unpackbaren Performance angejunkt, 2011 konnte sie Klaus Totzler im selben Rahmen nochmal engagieren, da schien aber die Luft schon etwas draußen zu sein. Immerhin brachte die Band eine Vinyl-Single mit, es wurde also noch produziert, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Im ORF-Interview sprach Paul Carter, Sänger und Kopf von FTW, davon, dass sich die Band noch nicht einig sei, ob sie weiterhin gemeinsam Musik machen wolle. Aus anderer Quelle wurde nun bekannt, dass es der Initiative eines französischen Bewunderers der Band zu verdanken ist, dass die zerstrittene Truppe wieder zusammengefunden und Anfang des Jahres in einer verlassenen Kirche in North Wales die Songs für »The Machine That Made Us« (»TMTMU«) aufgenommen hat.

FTW spielen in einem Universum, in dem Zuschreibungen wie »Am Puls der Zeit«, der letzte »Hot Shit« oder neue technologische Entwicklungen überhaupt keine Rolle spielen. Ihr Equipment stammt vermutlich zur Gänze aus dem letzten Jahrhundert, maximal die Aufnahmetechnik könnte neueren Datums sein. Bei Instrumenten wie Domingotron oder Octapad ist der technische Firlefanz sicher zweitrangig. »TMTMU« klingt wie eine nahtlose Fortsetzung des Debüts mit seinen eigenwilligen Keybordsounds auf den Spuren von Procol Harum, der charismatischen Stimme Paul Carters und den windschief-besoffenen Chören der Instrumentalisten. Eine knappe stilistische Kategorisierung machen einem FTW nicht einfach, ist das aus der Zeit gefallener, melodieseliger Pop mit kammermusikalischen Elementen, Trauermarschdrums und Chören aus der griechischen Tragödie unter Wasser aufgenommen? Ergriffenheit und Entäußerung könnten Begriffe zur Annäherung an das Phänomen FTW sein.

Was soll man bei einem so durchgängig unter die sprichwörtliche Haut gehenden Opus besonders hervorheben? Dass der Druck auf die Tränendrüsen bei »To Live For Longer Slides« gegen Ende oder »Due To Adverse Weather Conditions All Of My Heroes Have Surrendered« ein paar Prozentpunkte höher ist als bei den anderen Stücken? So what? Sollten Sie bereits am überlegen sein, welchen Sound Sie in die ewigen Jagdgründe mitnehmen könnten (HörerInnen dieses Stoffs sind vermutlich nicht mehr ganz jung und eher männlich), empfiehlt sich das Gesamtwerk von FTW nachhaltig. Maximale Abnützungsresistenz ist garantiert und die zwei kleinen Scheiben finden in jedem Sarg oder gar einer Urne spielend Platz. Denken Sie darüber nach!

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