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Dublin? »Dubh Linn« – kommt aus dem Gälischen und bedeutet »Schwarzer Teich«. Geeichte Guinness-Trinker nicken andächtig und meinen die Hauptstadt des keltischen Tigers bereits zu kennen. Die Stadt hat so vieles mehr an Musik, Kultur und Literatur zu bieten, dass es gleichsam fahrlässig und schade wäre sich auf den Verzehr des dunklen Gerstensaftes zu beschränken. Wenn man sich also zu einem der berühmten »Pub Grubs« (gediegene und – in Irland nicht zu unterschätzen – leistbare Gaumengenüsse) bequemt und dann das Glück hat Live-Musik zu hören, hat man schon zur Hälfte gewonnen. Den anderen Teil erreicht man, dass man nicht in klischeebehaftete Umtata-Musik (was kaum passiert, denn in Pubs bekommt man eher Mainstream-Pop zu hören) abschweift. Gegen die ist prinzipiell natürlich nichts einzuwenden, jedoch bietet das breit gefächerte Spektrum dieser akkuraten Subkultur einfach mehr. Im Genre des Folkpunk-Rocks haben sich die Dropkick Murphys bzw. Flogging Molly weitgehend etabliert, sodass es mitunter sehr schwer wirkt, in diese Domäne einzubrechen. Die Band Mr. Irish Bastard versucht dies mit einem melancholisch geschwängerten Cocktail aus Zigaretten, Bier, rauchigen Stimmen und traditionellen Instrumenten – großartige Flöte, feines Banjo, angenehme Mandoline und ein Akkordeon welches superb anmutet. Das kurze Album (25 Minuten Länge) versucht ambitioniert eigene Wege zu gehen und liefert gängige mit hübscher Folklore gemischte Kost. Einflüsse von oben genannten Branchengrößen und den großartigen The Pogues oder The Clash lassen sich nicht verleugnen. Für einen alternativen Abend und zum Mitschunkeln ist die Musik sicherlich absolut geeignet. Die einzelnen Songs sind flott arrangiert und haben einen sympathischen Charakter: laut, schnell, reibeisig und wundersam phlegmatischen Weltschmerz. Wermutstropfen bleibt ein ziemlich eigen interpretiertes und misslungenes »Temple of Love«-Cover der formidabel einzigartig anmutenden Sisters of Mercy, welche auch nicht jedermanns Sache sind. Das Kalkül der Iren geht auf. Was ich von dem Album halte? In dubio pro reo. In diesem Sinne hebe ich indigniert ein Glas des extrem unterschätzten Smithwicks (das Bier, das mich veranlasste in Irland genau ein Pint Guinness und nicht mehr zu trinken) und stimme ein slainté an!

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Text
Kain Elefterios

Veröffentlichung
09.11.2006

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