Sky Burrow Tales

»Seafarin’ & Backporchin’«

Achtern Diek

Eine Platte ist immer auch ein Szenereport. Wer spielt wann mit wem und warum und wer schreibt was drüber? In den 1970er-Jahren war das sicherlich glamouröser, aber ich bin nicht Lester Bangs und selbst der »Rolling Stone« ist heute ein Nischenmagazin. Über die Home-Recording-Sessions zu »Seafarin’ & Backporchin’« kann ich leider auch nichts im Gonzo-Stil berichten, aber – da müssen wir weder drum herumreden, noch einen Befangenheitsantrag stellen – die eine oder andere Nacht habe ich mir mit Uli schon um die Ohren geschlagen, und nun legt er zusammen mit Swantje die erste Sky Burrow Tales Langspielplatte vor. Das frisch gebackene Ehepaar Musa-Rois ist quasi das Free-Folk-Traumpaar Wiens. Und die beiden eint nicht nur die Liebe zueinander, sondern auch die zu ausufernden psychedelischen Jams. Musikalisch findet die Musik ein zeitgenössisches Vorbild bei einem anderen musizierenden Ehepaar, nämlich Erika Elder und Matt Valentine – besser bekannt als MV & EE. Die sind im Zusammenhang des sogenannten New Weird America zu einiger Prominenz gelangt und haben – überwiegend im Selbstverlag – in den letzten zwanzig Jahren Hunderte von Aufnahmen veröffentlicht. Dieser quasi dokumentarische Fleiß in eigener Sache findet wiederum sein historisches Vorbild in den Grateful Dead, deren Archiv online täglich umfänglicher wird, und hier schließt sich dann der Kreis: Erika, Matt, Swantje und Uli – Deadheads allesamt. Und bevor jetzt jemand »OK, Boomer« mault, mal langsam. Americana, von der Erstveröffentlichung von Harry Smiths »Anthology of American Folk Music« bis hin zum letzten Bob Dylan Album, ist zwar kein Synonym für Popkultur, aber ihr Einfluss ist bis heute ungebrochen und immer, wenn man denkt, nun ist der Bart ab, da kommt eine Band wie die Garcia Peoples um die Ecke geschlurft … and the beat goes on. Genau in diesem haarigen Kontinuum ist das Album der Sky Burrow Tales einzuordnen: laid-back Americana, psychedelischer Jam-Rock, süßlich umwölkter Free-Folk. Musik von Heads für Heads, »Hippiescheiße«, Prädikat wertvoll. So stilsicher an allem vorbei, was Zeitgeist sein will, und ebenso zeitlos – entschleunigte Evergreens für Freund*innen freundlich verträumter Nachmittage auf der Veranda (oder der Couch). Turn on, tune in, drop out. Peace!