Luciano Biondini

»Senza Fine«

Intakt Records

Ja, wenn man auf das Akkordeon steht, ja, dann … Also wenn man dieses Instrument wirklich liebt, seinen unverwechselbaren Klang, der hoffnungslos reminiszent und nostalgisch, aber eben auch vielschichtig und zur pompösen Dissonanz bestens geeignet ist … Ja, wenn man dieses Instrument mag, dem auch ruppige Dilettanten mitunter Bemerkenswertes abringen, das aber vor allem eine Einladung für Virtuosen ist, diesem diffizilen Kasten ein Füllhorn an Stimmung und Sittenbildern, an rustikalen Fresken und fragilen Skizzen abzugewinnen … ja, dann ist man bei der CD »Senza Fine« des italienischen Akkordeongroßmeisters Luciano Biondini genau richtig. Denn all das passiert hier, eingeleitet vom titelgebenden Gassenhauer »Senza Fine«, ein unkaputtbares Stück italienischer Schlagergeschichte. Der Witz an dieser Einleitung ist natürlich, dass ich nur bedingt ein Fan des Akkordeons bin, eben wegen dieser unweigerlichen Schlagseite in Richtung weinseliger Vorstandmelancholie, die man vermutlich in Palermo ebenso findet wie in Lyon oder Grinzing. Und aus dem wehmütigen Schmalzbechern dieser Schlagseite schöpft auch Biondini zur Gänze, also wirklich knietief, so dass sich mein Kragen aufstellt und ich mich Händen und Füßen gegen die hereinprasselnden Assoziationen wehre. Aber toll, wie chancenlos man dagegen ist, da wird man einfach von einer lässigen Selbstverständlichkeit über den Tisch gezogen, lauscht unfreiwillig ergriffen, bekommt sofort Lust, sich in ein schattiges Gastgärtchen zu setzen, ein Achterl Rotwein zu bestellen und glückselig in diese Akkordeonwollust hinein zu kippen. Ewig hätte er weiterspielen können, schreibt Christian Rentsch in den Linernotes, bezugnehmend auf einen Live-Auftritt Biondinis kurz vor dieser Einspielung. Das ist verständlich, nur allzu verständlich. Ein großartiges Hörvergnügen.