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Sole ist einer der acht Hauptprotagonisten des ständig weiterwuchernden Anticon-Labels. Seit fünf Jahren hauen diese Leute in variablen Kombinationen und unter einer unüberschaubaren Vielzahl von Bannern Tonträger raus, was das Zeug hält, und veröffentlichten bis jetzt noch keinen einzigen Durchhänger. Das ändert sich auch mit Soles zweiter regulärer LP nicht. Der McDonald’s-Aussteiger breitet darauf seine Wut auf alles Böse in der Welt und insbesondere Amerika aus und steigert sich in eine ungeheure paranoide Rage, die von der Creme de la Creme der hauseigenen Tonkünstler eindrucksvoll vertont wird. Alias wäre hier als erster zu nennen, der seinen Titel »Godfather Of Goth-Hop« nicht umsonst trägt. Odd Nosdam (Clouddead) spezialisiert sich auf zerstörerische Lo-Fi-Spielereien mit surrenden Kabeln und rauschenden Tapes und kreiert so seinen unverwechselbaren Sound kosmischer Orientierungslosigkeit, während Jel als Produzent zwei Tracks mit unerlaubten Drum-Machine-Sounds zukleistert.
Sage Francis lieferte in der Linzer Kapu eines der Konzerte des letzten Jahres. Er schaffte es als Performer allererster Güte, alleine auf der Bühne ein ziemlich intensives Inferno zu entfachen, und trotz Musik aus der Konserve eine Atmosphäre von Unmittelbarkeit und Zufall zu erzeugen. »The Makeshift Patriot« ist ein EP-Zuckerl für Fans und ideal für Einsteiger, weil einige seiner besten Stücke hier teils mit anderen Instrumentals oder variierten Lyrics in definitiv anmutenden Versionen erklingen. Der Typ hat ausgeprägtes Gespür für Melodielinien und nicht selten verlässt er – wie eigentlich alle bei Anticon – HipHop-Genre-Konventionen; in seinem Fall eindeutig in Richtung Song. Wer einmal angefixt ist, sollte sich auch noch sein ausladendes Meisterwerk »Personal Journals« besorgen.

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Text
David Krispel

Veröffentlichung
14.06.2003

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