Der böse Zustand

»Schlund«

Ostblock Rekords

Er ist eingetroffen! All das Zittern, nach links und rechts Schauen, Hände in den Schritt Klemmen hatte einen Sinn. Der Zustand ist böser als je zuvor und wir glücklichen Sünder dürfen nun endlich von seinen süßen Früchten des Zorns naschen.

Doch zuerst werden wir von aufgeladenen Gitarrenriffs attackiert, gepackt und assimiliert.

Widerstand ist zwecklos und wir wollen Teil haben. Es reißt uns aus den Stühlen, zieht uns hinunter wie in einen alles verschlingenden Muttermund, bewegt uns voran mit Saitenhieben und gezielten Schlägen von tausenden Ruten auf das Trommelfell, bis wir endlich tief im Keller unserer Selbst angelangt sind. Auf dem Weg dorthin bereiten uns melancholisch anmutende Klänge und trauervoll schöne Melodien für den Übergang in ein Portal der Ruhe vor, in dem, wie in einer akustischen Ursuppe, sich klingend die intonierten Atome verbinden und Struktur annehmen.

Dem fantastisch chaotischen Spiel bleibt leider nicht viel Zeit und noch bevor wir gänzlich in die Transzendenz abgleiten, peitscht Der böse Zustand unsere faulen Ärsche im flotten Klezmer-Rhythmus zurück an die Oberfläche der Realität. Wie neu geboren und noch Fruchtwasser schwitzend landen wir im Tal einer blühenden Almwiese, umgeben von Kuhglockengeläute und fernen traditionellen Bauerngesängen. So schön es dort auch klingt, so sehr müssen wir auch wieder raus aus diesem grünen Schlund. Die innere Stimme wird immer lauter und manischer. Rastlos wird im hektischen Takt nach einem Ausweg gesucht. Es treibt uns immer höher hinauf, zu neuen Zielen.

Am Höhepunkt angelangt werden wir von der musikalischen Dichte überrascht und stürzen, noch mit dem fruchtigen Geschmack im Mund, zurück in unseren Sitzplatz. Was für eine Reise! Der böse Zustand bleibt jedoch auch noch nach Ende dieses fantastischen Kopfkinos allgegenwärtig. Und das ist gut.

Ostblock Rekords: http://www.webworks.at/ostblock/index.htm