Neil Michael Hagerty

s/t

Domino

Dass eine Platte von Neil Hagerty nicht von Royal Trux ist, hat ein Schreiber des »Spex« scharfsinnig erkannt. Das Fass läuft allerdings über, wenn der Rezensent den Auslassungen in Bezug auf den Sound der Band nachtrauert. Mittlerweile hat es sogar das konservative »The Wire« geschnallt, dass diese Band von stetig wechselnden Elementen lebt, die sie in Anlehnung an »harmolodische« Prinzipien Ornette Colemans oder andererseits Supertramp durchspielen. Einzig »Pound For Pound« war ein Wiederaufsuchen einer bereits auf »Thank You« auftauchenden Spielweise. Ich höre in Hagertys Debüt Stimmungen, die seitens der Gitarre teilweise an den Sound von Fats Waller in Eraserhead erinnern; auch die stets präsente Orgel pendelt wahlweise zwischen Carnival Of Souls oder Dr. Phibes hin und her; dazu gibt es Einsprengsel aus Country Blues, exotischen Tonskalen und natürlich die obligatorische Sun-Ra-Referenz. Hagertys unglaublicher Gesang schiebt sich abwechselnd – bezugsfrei oder zwingend ins Arrangement eingebettet – ins Geschehen. Kaputte, sub-bassige Elektronik-Teppiche bilden das rumpelnde Fundament, auf dem dieser ästhetische Neuentwurf ein subtiles Feuerwerk der sanft-kranken Euphorie losläßt. Das akustische Äquivalent zu Alligatoreneier in Rum. Wohl bekomms!