Little Annie & The Legally Jammin

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Bleierne Industrial-Schwere, die sich flugs in einen vibrierenden Dancehall-Vocal-Track mit doppeltem Rumpf verwandelt, eröffnet das Comeback-Album von Little Annie – Eyecatcherin in der Studio 52-Society der frühen 80er und spätere Dub-Chanteuse auf On-U-Sound. Zu ihrer Stimme wurden nicht selten Parallelen zu Grace Jones gezogen, welche auch auf diesem Album ihre Berechtigung hätten. Eigenständigkeit gegenüber diesem großen Vorbild sollte ihr aber nicht nur aufgrund der Tatsache zugestanden werden, dass Little Annie vor Jones die lang erträumte Kollaboration mit dubdiscogeflashten und aktuell interessantesten Elektronikproduzenten (in diesem Fall New-York-City-Boy Khan und Jendreiko, der mir jedoch nichts sagt; Gastauftritt: Kid Congo Powers!) in die Tat umsetzte, sondern auch wegen ihrer Nähe zu Storytelling und Kabarett. Das Vorkommen des letzteren Paares auf der CD wirkt aber nur allzu gewollt und lässt sich in einer Bohème-Bar mit gezwungen schrägen Linsenaufnahmen imaginieren. Klein Annies Gesang, ihre unterkühlten Verführungsversuche werden mal rootsy, mal metallen, mal ambientflächig, mal mit R2D2 untermalt. Zwischenräume werden dadurch oft erschaffen, nur wirst du nicht entkettet, um zum anderen Raum hinüberwandern zu können. Die Dancehall ist eine gleißend graue Metallschmiede, in der Ruß unerwünscht ist. Etwaige Funken lösen sich rechtzeitig in der Luft auf, was dem Album trotz aller Ambivalenzen eine merkwürdige Straightness verleiht. Wie bei den meisten Platten dieser Art, die auf dem halben Weg zur Entfaltung stecken bleiben, gibt es auch hier einen Ausblick auf das, was hätte sein können: Auf »Well?« vervielfältigen sich Little Annies konfrontative, aber Desinteresse ausstrahlende Fragen in Tausende von Schatten, gleichermaßen organisch wie halluzinogen-simulakrenhaft, während die sonischen Effekte Unebenheiten auslösen, die auch dem übrigen Werk gut zu Gesicht gestanden wären.