Rolltreppe

»Rolltreppe«

Bachelor Records

Vienna, Post-Punk-City! Der Sound, der mich unter pandemischen Verhältnissen jedes Mal aufs Neue zum spontanen Kopf- und Körperschütteln verführt, hat das vor 40 Jahren auch schon mit Menschen angestellt. Aber wenn es junge Bands so leidenschaftlich praktizieren wie Rolltreppe, Modecenter und Half Darling, dann funktioniert’s. Das Wiener Quartett Rolltreppe hat sein Debüt, das vor einem Jahr in Eigenregie auf Tape erschien, heuer auch als 12-inch auf Bachelor Records herausgebracht. Rebecca, Lucas, Mati und Philipp liefern neun Songs in einer knappen halben Stunde. Genau das richtige Format für eine Musik, die sich bestens hörbar von jener Zeitspanne inspirieren ließ, in der sich Bands entschieden, eher Hardcore- oder doch Post-Punk zu werden – oder auf Schubladen prinzipiell mal zu scheißen. Frühe Gang Of Four sind freilich eine solide Basis. Und das Triggern von Mission-Of-Burma-Assoziationen kommt mir auch gerade recht. In »No Money/Car Song« rückt die Gitarre mit Dead-Kennedys-informiertem Reverb-Surf-Sound sehr schön in den Vordergrund. Die reduzierten, deutschen Texte identifizieren bevorzugt die harten Kerne des Selbstverständlichen: »Schotter und Sand« (»Mischmaschine«), »Schwarzer Anzug, weißes Kleid« (»Hochzeit«). Dabei schreit sich Rebeccas Stimme markant in eine zornig-bestimmte Herstory ein, die mit X-Ray-Spex, Kleenex/LiLiPUT, Östro 430, Hans-A-Plast oder den ersten österreichischen Punkshouterinnen von A-Gen 53 und Plastix krawallig feministisch begonnen hatte. Und wie bei den ersten drei der genannten Bands ist auch bei Rolltreppe ein Saxofon zu hören. Michael Masen von FS Massaker spannte für zwei Songs wieder mal ein handverlesen hartes Blatt ins Mundstück seines Alt. Sein Bandkollege Werner Thenmayer wiederum nahm das Material auf; Eric Brady mixte es frisch fürs Album. Thenmayer sitzt auch bei Half Darling an den Drums, die gemeinsam mit Rolltreppe am 23. September beim Salon skug im Wiener Fluc zu erleben sein werden. Nicht verpassen!