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Reinhold Friedl/Martin Siewert

»Lichtung«

Karlrecords

Man nimmt sich wenig Zeit, um zu veranschaulichen, woher man kommt und wohin es geht: »Genese«, erster Track auf dem 2021 in Wien aufgenommenen Album »Lichtung«, beginnt erst mit einem dronigen Brummen und geht dann über in ein Rauschen, das den Knorpel der Ohrmuscheln zum Wabern bringt und verflüssigt. Reinhold Friedl (Zeitkratzer und hundertfacher Kollaborateur in Avantgarde-Façon) klingt, als zersäge er sein Piano mit einem Winkelschleifer, Martin Siewert (Fennesz, Radian, The Necks und, und, und) hält dagegen und sie gebären aus dem Sound-Gewumms eine ganz liebliche, feine Lichtung, in der sanfte Klaviertöne und Saitenschläge miteinander kooperieren. Bald geht es über in unterschwelliges Hämmern, Siewert legt elektronische Klänge darüber. In den 24 Minuten legen die beiden ein breites Bild an, das durch seine sonische, klangfarbliche und harmonische Vielfalt Spannung erzeugt und hält, in subtilen und weniger subtilen Momenten. »Gestade« steht als kleine Intermission vor dem nächsten Brocken, dem fast 15-minütigen »Gesichte«. Das beginnt mit dramatischem Anschlagen der Klaviersaiten und verzerrten Gitarrenakkorden, die sich in so etwas wie ein Solo bewegen. Krach folgt, eine Ambient-artige Phase des Innehaltens, dann wieder Unruhe, durchgehend begleitet von Friedls hart angeschlagenen vereinzelten Tönen. Gegen Minute 10 sorgen harmonische, wiederkehrende Gitarrenmelodien für so etwas wie Ruhe und das Gefühl, man sei am Ende einer aufwühlenden, aber schönen Reise angekommen.

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