Breton

»Other People's Problems«

FatCat Records

Dass das Londoner Elektro-Kollektiv Breton einmal quasi als Band auftritt war so nicht geplant. Die aus der Süd-Londoner Hausbesetzer-Community stammenden Jungs produzier(t)en nämlich Avantgardefilme und fanden in den Clubs des Szeneviertels New Cross Gelegenheit, diese Videos (inklusive spezieller Soundtracks und Performances) zu präsentieren. Erst die zunehmende Begeisterung für diese Sounds führte zu Veröffentlichungen dieser spannenden Mucke. Als BretonLABS war das Quintett um Roman Rappak bereits als Remixtruppe, unter anderem für Tricky, aktiv. Nachdem sich die Gruppe überhaupt erst 2010 formiert hat ist anzunehmen, dass es sich um eine manisch produzierende Gang handelt. Ihre letzte EP »Counter Balance«, erschienen auf Hemlock, gibt es als Free-Download. Das Debütalbum »Other People’s Problems« erscheint bei FatCat, wo auch Sigur Rós und Animal Collective beheimatet sind. Und um den komplexen, warmen Elektrosound von »OPP« standesgerecht aufnehmen zu können wurde Breton nach Island ins Studio von Sigur Rós geschickt, wo jede Menge Vintage-Equipment auf sie gewartet hat. Das Ergebnis ist beeindruckend und klingt nach De- bzw. Rekonstruktion von Song/Track-Elementen, die durch den Brenton’schen Soundhäxler gejagt werden, um als etwas andere Elektropophymnen – vage in der Traditionslinie von Leftfield stehend – wieder herauszusprudeln. Laut Roman Rappak will Breton die ausgetretenen Produktionspfade verlassen und verwendet dabei Klänge aus der unmittelbaren Umgebung: Ein Knarren oder Quietschen, Geräuschkulissen aus Lokalen, Sirenen oder auch das Surren von alten Instrumenten dienen dabei oft als Ausgangspunkt. Im Ergebnis finden sich dann träge HipHop-Beats genauso wie flirrende, dadaeske Elektronikflächen. Dazu eine am überdrehten New-Wave-Gesang orientierte, oft gedubbte Stimme, die wunderbare, warme Melodien singt. Die Streicher steuerte der einschlägig bekannte Düsseldorfer Komponist Hauschka bei, Thomas Hein (These New Puritans) und Senior-HipHoper Harry Love übernehmen das Mixing für drei Songs. Im Kopfhörer funktioniert dieser Hot Shit exzellent. Noch besser könnte es höchstens live werden. Die multimedialen Performances sollen nachhaltig unter die Schädeldecke kriechen. Vielleicht sogar bald in Üsterreich, für die aktuelle Tour ist allerdings nur ein Hamburg-Termin am Plan.