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Kopfkino, bei dem sich das Rattern des imaginären Projektors mit dem Dröhnen von Hubschrauberblättern überlagert. Die zweite Platte von U.S.S. ist einmal mehr eine Aktion portugiesischer und amerikanischer Musiker, Cinemascope in grobkörnigem Schwarzwei&szlig-Flicker, ein Alternativ-Soundtrack für »Apocalypse Now«. Neben Jonathan Saldanha und Scott Nydegger sind an »Machine Gun« 15 Musiker aus fünf Ländern beteiligt, Elektronikstrukturen prallen auf Free-Jazz-Irrsinn, Noisepassagen schichten sich zu treibenden Rhythmusungetümen auf. Während es zu Beginn noch beschaulich dahingeht, verdichtet sich »Machine Gun« im Lauf von sechs überlangen Nummern zu einem unheimlichen Gespinst aus Instrumenten, Eindrücken und Stimmungen. Definitiv ein Trip; Zwar nicht unbedingt in das »Heart of Darkness«, aber mindestens zu düsteren Gefilden als akustischer Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen. Eine schwerst konzise und prägnante Platte. Die ideale Ergänzung vor oder nach einer Scheibe der Mount Fuji Doomjazz Corporation oder auch von Sunn0))).

In eine ähnliche Kerbe schlägt »Le Désert Avance«, das dritte Album der französischen Band Melmac. Die Soundtrack-Referenzen der beiden Reverter-Brüder liegen indes nicht im (Free)-Jazz, sondern im abstrahierten Rock. Als wenn sich die Band Sleep entschlossen hätte, auf Ambient zu machen. »Le Désert Avance« könnte auch als eine Elektronikvariante von Black Metal durchgehen, geerdet in Krautrockavancen. Der Abschlusstrack »Soldat« ist das Verbindungselement zu U.S.S. Davor mäandert »Le Désert Avance« zwischen reduzierten Elektronikflächen und Metal der Southern-Lord-Schule, kann sich indes nicht immer entscheiden, wo Station gemacht werden soll. Während »Machine Gun« aus einem Guss ist, spannt »Le Désert Avance« ein Klangfeld auf, das an sehr unterschiedliche Verfassungen andockt. Besorgen Sie sich auf jeden Fall beide Alben.

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