Jack White

»Lazaretto«

Third Man Records

Wenn derzeit an Blind Willie McTells Grabstätte in Thomson (Georgia) außergewöhnliche seismische Aktivitäten zu beobachten ist, dann hat dies vermutlich mit Jack Whites neuem Album »Lazaretto« zu tun. Dieser vergeht sich darauf nämlich am »Three Women Blues«, einem 1928 erschienenen Slide- gitarren-Kleinod besagter Blues-Legende. Obwohl man davon ausgehen muss, dass White dieses Genre heilig ist, werden hier – mit fieser Hammond-Orgel und fetten Gitarrenriffs – ganz hinterfotzig die Black Roots der Rockmusik zu White Trash umgepolt. Zu solchen Songs rufen untersetzte Pferde- schwanz-Träger mit verwaschenen Classic-Rock-T-Shirts begeistert »Pörpl, voi diaf!« Fast noch bizarrer mutet der Western-Schmelzkäse »Temporary Ground« an, ein mit allen Wassern des Mississippi gewaschener Sperrstunden-Song für die Saloons entlang des frontier. Wenn man bedenkt, dass White einst das Kunstvolle im Country elegant hervorzuholen vermochte, etwa mit dem White-Stripes-Song »I Want to be the Boy to Warm Your Mother’s Heart«, so tut »Temporary Ground« doppelt weh. Bei »That Black Bat Licorice« geht dann wieder das »Pörpl!«-Gespenst um, dieses Mal allerdings auf HipHop-Swag getrimmt. Wir erfahren, dass »she« sein »baby« ist und sein »monkey« schon wild herumhüpft, doch leider fühlt er sich ihr gegenüber so »avuncular«, also wie ein Onkel. Vorübergehend Remedur schaffen weniger klischeebeladene Stücke wie der fuzzige Instrumental-Kracher »High Ball Stepper« oder der als Single ausgekoppelte, ziemlich garstige Titelsong, den die Country-Fiddles ausnahmsweise nicht zerstören können. Doch diese vereinzelten Lichtblicke ändern nichts am fragwürdigen Selbstverständnis von Jack White. Dieser Mann führt uns in Gegenden, wo die Frauen Rosie heißen, Probleme durch Shootouts gelöst werden und alles auf jeden Fall immer »good ole« sein muss. Nur ist White halt nicht »ole«. Und »good« offenbar auch nicht mehr.