Ensemble Phoenix

»Kompositionen von Alex Buess, Dror Feiler, Tim Hodgkinson«

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Core and more. Schnelle Erinnerungsbilder spulen ab: Ein überraschendes Polizeiaufgebot stellt einem ebenso überraschten Basler »Taktlos«-Veranstalter den Strom ab. Die bretternde Experimental-Rockband God muss kurz ihre ohrenbetäubende Spiellaune unterbrechen. Provokation war damals angesagt (1992), Lärmbelästigungsklagen einkalkuliert, und im Vorfeld waren unappetitlich aussehende God-Plakate an den Kultursäulen tapeziert (Kruzifix in rohem, blutigem Fleisch gesteckt, mit Stacheldraht umwickelt).
Abgrenzungsrituale und Lausbubenvergangenheit. God-Leader Tim Hodgkinson ist reifer geworden. Im zunehmenden Alter setzt man sich hin und schreibt seriöse Musik, das macht sich gut für die Nachwelt. Weiser, aber nicht unbedingt leiser hört sich »Repulsion« für Klarinette, E-Gitarre, Posaune und Schlagzeug an. Die Erfahrungen mit experimentellen Spielformen sind auch in dieser Komposition unüberhörbar. Eingebettet zwischen den Stücken von Alex Buess vermag sich Hodgkinsons Kammermusik nicht durchzusetzen und benötigt dringend mehrmaliges Hinhören, bevor einen die sehr filigran organisierten Klangwelten fesseln. Wuchtige Klangblöcke und unnachgiebige Spannungsbögen hingegen in den beiden rund zwanzig Minuten dauernden Ensemblestücken »Parallaxe A« und »Maxwell’s Demon« von Alex Buess. Die Musiker unterziehen sich kraftzehrenden Anstrengungen und zeigen sich diesem energetischen Spiel gewachsen, insgesamt hätte man sich einen näheren Rock-Approach gewünscht. Wie Tim Hodgkinson, so ist auch Buess Saxophonist und blickt auf eine schillernde Musikervergangenheit zurück (Zusammenarbeiten mit Core-Größen, u.a. Bill Laswell und Peter Brötzmann). Diese spielerische Hau-den-Lukas-Mentalität hat das Musikdenken des Basler Komponisten bestimmt mitgeprägt. Weniger verwunderlich also, erinnert seine Musik an Maschinelles, an mechanisierte Vorgänge und fördert so brachiale Schroffheiten zu Tage, denen man sich nur unschwer entziehen kann. »Restitutio« von Dror Feiler erweist sich als ein dazwischen liegendes Drittes. Ausgefeilte Motive treffen auf blockartige Gegenwelten, laden sich energienreich auf und entladen sich alsbald sehr ausbalanciert.

»Sein Name sei gepriesen, sein Name sei gelobt«, sein Name flößt uns im erlauchten Neutönerkreis viel Ehrfurcht ein. Ein bisschen eigenartig allerdings, warum sich Dirigent Jürg Henneberger stets etwas verkrampft als unbändiger Rocker gibt? Seit einem seiner Auftritte am Musikmonat 2001 wissen wir zwar anschaulich, dass Henneberger über die Metal-bedingten Lederaccessoires verfügt. Manchmal scheint es aber, er trage das gut gewienerte Lederoutfit in einer einschlägigen Szene und nicht etwa dort, wo der Bär tatsächlich abgeht. »Jürg Henneberger in Rock« – meisselt da jemand inständig am eigenen Mount Rushmore-Monument, um in Ewigkeit respektgebietend auf uns hernieder zu blicken? Das Ensemble Phoenix als elitärer »Machine Head«? Auf die Konzertbegegnung mit Merzbow darf man gespannt sein. Bis dahin aber muss dieser verflixte Akademikerapparat rocken!