Cousines Like Shit

»Young and Online«

Seayou Records

Blut ist bekanntlich dicker als Wasser. Doch vielleicht braucht man beides, um aus Familienbanden eine Band zu knüpfen. So beschlossen die Cousinen Hannah und Laura Breitfuß an einem griechischen Strand, Musik aus den Fluten des Mittelmeeres zu heben. In derselben Nacht sind Cousines Like Shit dem Ozean entstiegen. Auch wenn das Rauschen der Wellen und die englische Rechtschreibung heute längst vergessen sind, ist ihr Tatendrang ungebrochen. Auf seiner ersten EP verknüpft das Haus Breitfuß das berauschende Gefühl, sich in fremden Gestaden über alles Mögliche und Unmögliche zu unterhalten, mit dem ironischen Blick, der sich nach der Rückkehr ins verkaterte Wien einstellt. »Young and Online« wartet mit vier Indie-Songs, vier Darstellungen zwischenmenschlicher Disharmonie auf. Die Cousinen thematisieren digitale Entfremdung (»Young and Online«), verfehlte Intimität (»Paper Bag«), Aggression in familiären Beziehungen (»Over Night«) und Konsum als Ersatz für Wärme (»Buy«). Alle Songs bestehen in einem konventionellen Wechselspiel von Strophe und Refrain, verschwenden aber keinen Takt. Damit bekommen sie ein Ohrwurmpotenzial, wie man es selten auf Debüts findet. Gekonnte Begrenzung ist gleichzeitig Stärke und Limitation von »Young and Online«. Die EP glückt mit wenig Variation in Sound und Struktur. Aus den Fluten an Releases sticht das Kleinod insofern nur bei genauem Zuhören heraus. Bleibt zu hoffen, dass der Breitfuß-Clan auf seiner ersten LP mehr Risiko eingeht und die Sound-Design-Möglichkeiten eines Studios stärker ausnutzt. Dann werden die Cousinen vielleicht mit einem Prachtstück aus dem nächsten Familienurlaub zurückkehren. »Young and Online« deutet jedenfalls auf eine glanzvolle Zukunft.