The Lijadu Sisters Foto: © unknown

Comunidad Internacional #7

Joni Haastrup, Monomono, The Lijadu Sisters, Fania All Stars, uvm…

Afrika/Nigeria: JONI HAASTRUP, der Mann mit dem für einen Nigerianer untypischen Namen, ist uns wegen diverser Afro-Collections des letzten Jahrzehnts kein Unbekannter mehr. Ältere Semester werden ihn vielleicht noch von Ginger Bakers Bands Airforce und Salt in Erinnerung haben. Anfang der Siebziger gründete er in Nigeria die Band MONOMONO, mit der er auch zwei Alben bei EMI einspielte: »Give the Beggar a Chance« (1973) und »Dawn of Awareness« (1974). In ihnen mischen sich Elemente von Cream oder Traffic mit einem Hauch nigerianischen Afrobeats. Mehrmals versuchte Haastrup die Finanzierung von Promotiontours in den USA und Europa zu organisieren, Capitol, Mutterfirma von EMI, lehnte ab – nicht ganz unverständlich: Die Songs beider LPs hörten sich wie Improvistionen an, der Rhythmus dominierte, häufige Tempi- und Rhythmuswechsel sorgten für wenig Pop-Appeal, von einem vermarktbaren Hit keine Spur. Im Nachhinein betrachtet, klingt diese Musik mit seinen Acid-Rock- und Fuzz-Gitarren, den schrillen Orgel-Solos, dem Percussions-Teppich und den jazzigen Passagen auf »Dawn of Awareness« doch recht attraktiv, wenn auch eher für Rockfans zu empfehlen.

Ganz anders dann die Solo-LP von Haastrup 1978, »Wake Up Your Mind« (Soulfood), die Soundway ebenfalls veröffentlichte: ein kräftiges, funkiges Album, das von westindischen Mischstilen jener Jahre dominiert wird, als Calypso bzw. früher Soca mit Soul zu einer Art karibischen Disco verschmolz, den man Junkanoo nannte und der in letzter Zeit wiederentdeckt wird. Dieses Album sollte für Leser dieser Kolumne ma&szliggeschneidert sein.

Wie auch die Girl-Afropop-Band THE LIJADU SISTERS, aus deren vier Alben für Decca/Afrodisia aus den späten Siebzigern das englische Label Soul Jazz nun die besten Songs auf »Afro-Beat Soul Sisters« (Soul Jazz Records/Trost) versammelt hat. Es ist fantastisch, was sich hier unter dem gemeinsamen Nenner Pop unter einen Hut bringen lässt: Highlife, Afrobeat, vor allem aber Juju (die Zwillingsschwestern wurden später, schon in den USA lebend, von der Band King Sunny Ades begleitet), psychedelischer Rock sowie Soul & Funk – plus afrokaribische religiöse Rhythmen wie auf »Orere-Elejigbo«. Panafrikanismus, avantgardistische Weltmusik – die Wiederentdeckung des Jahres. Es bleibt zu hoffen, dass alle vier Alben wiederveröffentlicht werden.

Als »Our Latin Thing – Nuestra Cosa« (Hoanzl) veröffentlicht das Label Strut zwei Live-Alben der Fania All Stars, »Live at the Cheetah Vol. 1 & Vol. 2«, die man nur noch als antiquarisches Vinyl kaufen konnte, im Paket mit dem Dokufilm »Our Latin Thing«, eine Bestandsaufnahme des Lebens und der Musik in New Yorks Latin-Barrios der frühen Siebziger. Alle sind sie versammelt von Ray Barretto über Hector Lavoe bis zu Bobby Valenin.

Unter dem Titel »Love Dancing. Edits, Mixes & Album Highlights 2008-2011« (Hoanzl) bringt Strut eine Werksschau der letzten Jahre, die mit einem Song aus Kid Creoles absolut frischem Comeback-Album dieses Jahres beginnt und über diverse Afro-Acts wie Orchestre Poly-Rythmo, Ebo Taylor oder Mulatu Astatke bis zum »Spiritual Jazz«-Rework der Heliocentrics reicht – ein Wechselbad.

Mit »Brass Noir. On the Trans-Balkan Highway« (Lotus) setzt das deutsche Label Piranha seine Noir-Serie fort. Hier wird einmal kein besoffener Balkan-Hauruck geboten, sondern dezent-stimmungsvolle bis jazzige Musik, ein Film entlang einer Stra&szlige, vorbei an Landschaften, Orten mit dem Ziel Orient – wie bei Mercan Dedes stilübergreifend gebauter musikalischer Brücke »Moj Dilbere Kud Se Seces« im Zentrum dieser inspirierten Reise Richtung Osten. Boban Marcovi?, Fanfare Ciocarlia e. a. in ihren besten Momenten.