Real Fiction (»Mali Blues«)
© Konrad Waldmann, 2016

Comunidad Internacional #18 - Afrika kontemporär

Von traditionell-folkloristisch bis brachial-rituell: Beispiele zeitgenössischer afrikanischer Musik.

mali1.jpgAbou Diarra erweiterte seit seinem CD-Debut 2010 sein im Wesentlichen traditionell malisches Instrumentarium beständig um Instrumente wie Akkordeon, Keyboards, E-Gitarre oder Flöte, die er dezent effektvoll einsetzt. Auf dem neuen Album, »Koya« (Mix & Métisse/Broken Silence), kommt neben einem Sampler auch noch eine Blues-affine Harmonika dazu. Der Sound bleibt trotz diskreter Fusions mit »westlichen« Genres fest in der musikalischen Tradition Malis mit kräftigen Anklängen bei der populären Beduinen-Musik verwurzelt. Toumani Diabete bereichert zwei der 13 Songs mit seinem virtuosen Kora-Spiel.

mali1.jpg»Korafo« (Ajabu!/Broken Silence) ist das erste Soloalbum von Maher Cissoko. Bislang hatte er drei Alben zusammen mit seiner Frau Sousou veröffentlicht. »Ich habe nie zuvor ein Soloalbum aufgenommen. Ich wollte unbedingt ein Album nur mit mir und der Kora machen. Das ist meine Art, einen Fingerabdruck zu hinterlassen und zu sagen: Das bin ich.« Der gebürtige Senegalese lebt heute in Schweden. Er ist sich bewusst, dass seine Kora-Musik nicht mehr in dem Sinne traditionell ist, wie es die seiner Griot-Vorfahren war, doch das Fundament wurde solide gelegt. Es ist ein ruhiges und lyrisches Album, das mit der Luftigkeit der 22-saitigen Harfe die Tiefe des kulturellen Erbes von Cissoko reflektiert.

mali1.jpg»Mali Blues. Der Soundtrack zum Film« (Real Fiction) bringt fünf Acts aus dem Sahelstaat Mali, die repräsentativ für die populäre Palette dieses Landes stehen: Fatoumata Diawara, Singer/Songwriterin mit relativ starken Pop- und Rockeinflüssen; Amanar de Kidal, der den klassischen staubigen Wüsten-Bluesrock der Beduinen exzellent präsentiert; den jungen Master Soumy mit African pc-korrektem Rap; den Ngoni-Spieler Bassekou Kouyaté, der es, wie kaum ein anderer schafft, spannende zeitgenössische Musik ohne große Zugeständnisse an Pop, Rock & Co zu machen; und, last but not least, Samba Touré, ein weiterer Meister des sogenannten Wüstenblues im Erbe des großen Ali Farka Touré.
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Jupiter & Okwess präsentieren mit »Kin Sonic« (Glitterbeat/Hoanzl) ein breit angelegtes panafrikanisches Rock-Album, das sich immer – mehr oder weniger stark – auf diverse afrikanische Musikformen bezieht. Die eklektizistische Stilauswahl reicht von Südafrika über Angola und den Kongo, Jupiter Bokondjis Heimat, bis in die Karibik. Mit an Bord sind u.a. Damon Albarn, Warren Ellis von den Bad Seeds und Robert del Naja von Massive Attack.


mali1.jpgIfriqiyya Electrique nehmen auf »Rûwâhîne« (Glitterbeat/Hoanzl), ihrem Albumdebut, Bezug auf Banga, eine Art Trance-Musik aus Tunesien, die mit der Gnawa-Musik Marokkos vergleichbar ist. Der rituelle Habitus wird mit brachialer, oft dumpf-düsterer Soundgewalt unter Einsatz von Gitarren, Bass und elektronisch generierten Effekten umgesetzt. Live kommen zudem originäre Trommler aus Südtunesien zum Einsatz. Nicht unbedingt für Home Listening geeignet.