Foto: »Mezcla« © Maku Soundsystem

Comunidad Internacional #16

Altbewährte Grooves und Beats im Labor. Da kann auch schon mal was schiefgehen.

»Beyond Addis Vol. 2 Modern Ethiopian Dance Grooves Inspired by Swinging Addis« (Trikont/Lotus) kompiliert 14 Tracks, die von jenem Stil bzw. jener Epoche äthiopischen Musikschaffens inspiriert sind, die man Ethio-Jazz nennt und die unter dem Serientitel »Éthiopiques« auf einer inzwischen 29 CDs umfassenden (noch nicht abgeschlossenen) Edition von Buda Musique erfasst wird. hg1.jpgDie Compilation eröffnet relativ straight und funky mit Karl Hector & The Malcounts, den Daktaris und den Sorcerers, wobei die beiden Letzteren einen coolen Library (Soundtrack) Style beitragen, der ja »dramatically fashionable« ist. Das Debre Damo Dining Orchester aus Dänemark ist da stilmäßig durchaus auch noch auf dieser Linie, doch dreht der Stil nun stärker Richtung Jazz. Und damit wird’s komplexer, vertrackter, experimenteller. Rhythmenwechsel und Soli beherrschen dann Kompositionen und Arrangements, wie das dieser Art etwas überzogene Stück »Cool Runnings« des Berliner Ensembles Onom Agemo & The Disco Jumpers. Erfreulicherweise sorgen zwischendrin weniger aufgesetzte Herangehensweisen wie jene der Tezeta Band oder der Franzosen Akalé Wubé (featuring Manu Dibango!) für Entspannung im Sinne des ursprünglichen Stils. Insgesamt stellt sich für mich bei Vol. 2 (im Unterschied zu Teil 1) einerseits die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Zelebrierens eines Stils über eine Stunde. Denn irgendwann verglimmt der initiale Funke schlicht und einfach. Ethio-Jazz war andererseits auch nicht erperimentell, sondern eher »poppig«. Folglich funktionieren die Stücke umso besser, je näher sie am authentischen Sound bleiben.

hg1.jpgDaby Toure, dessen frühere Alben auf Peter Gabriels Real World erschienen, veröffentlicht mit »Amonafi« (Cumbancha/Hoanzl) sein fünftes Album. Toure ist in Mauretanien geboren, im Senegal aufgewachsen, lebt aber hauptsächlich in Paris. Was etwas über seine vielfältigen Einflüsse aussagt. »Amonafi« ist ein leichtgewichtiges Afropop-Album mit der Betonung sowohl auf leicht als auch auf Pop, glatt und perfekt in jeder Hinsicht (wie es Cumbancha liebt), aber praktisch ohne Kicks und Grooves und Tiefe, womit es auch schnell ein wenig langweilig wird.

Es ist so eine Sache mit experimentell. Wie viel Experiment darf Musik betreiben, ohne ihre »Seele« zu verlieren? Und was ist das: Experiment? Heißt das zwangsweise immer: Störung des »Eingespielten«. Und warum kriegt das fast immer so einen spröden rockigen Charakter, Störgeräusche inklusive. Womit ich auch schon viel zu A.H.E.O Afro-Haitian Experimental Orchestra (Glitterbeat/Hoanzl) gesagt hätte. hg4.jpgUnd wo bleibt Haiti? Eine allpräsente Referenz jedenfalls. Für mich hat sich diese Musik etwas zu sehr von ihren Wurzeln entfernt.

Was das Maku Soundsystem auf »Mezcla« (Glitterbeat/Hoanzl) zwischen mehr oder weniger expliziten Fela-Kuti-Verweisen (Aqua) und brasilianischem Axe an stilistisch wuchernder Wilderness inszeniert, kann man als Tropical Funk kategorieren. Gelegentlich trägt die Band ein bisschen dick auf, aber gerade dieselbe unbändige Spielfreude macht das auch wieder wett. Mehrere Percussions und Drums, Bläser, Bass, Gitarre und Keys, getoppt von engagierten Lyrics, bringen den globalen Jungle zurück in die Stadt – schöne Cover-Illustration auch.

 

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