Clara Luzia

»4+1«

Asinella Records

Nach sieben Alben mit ausschließlich Eigenkompositionen veröffentlicht Clara Luzia nun eine EP mit vier Coverversionen und einer Eigenkomposition. »Das Interessante bei Covers ist, dass Songs covern ein bisschen eine Metapher ist für menschliches Zusammenleben an sich«, meint Clara auf die Frage, was sie an dieser EP gereizt habe im FM4-Gästezimmer. Dem kann vollinhaltlich zugestimmt werden, sind doch Musiker*innen oft selbst große Fans von anderen Bands oder Soloartists. Die Auswahl der gecoverten Stücke ist mindestens ungewöhnlich: Einziger wirklich großer Hit der Selektion ist »It’s a Sin« von den outstanding Pet Shop Boys, das Clara Luzia mit großem Respekt vor dem Original interpretiert. Mit fast schon zu großem Respekt, wurde doch »nur« der maximal artifizielle Synthiesound der PSBs mit Gitarren angereichert. Trotzdem wurde die Aneignung dieses eminent politischen Songs sehr leiwand, nicht zuletzt wegen des wunderbar sehnsüchtigen Gesangs. Überraschend ist dieses Cover aber nicht, da Clara Luzia den Song schon lange im Live-Repertoire hat. »Socialite« ist im Original von Veronika J. König aka Farce, die sich nach ihren durchaus sperrigen Anfängen als Solo-Artist inzwischen (auch) leichter genießbaren Elektrosounds mit Vocals zugewendet hat. In der Coverversion wird »Socialite« zur absoluten Gänsehautnummer! Eröffnet wird der Songzyklus allerdings mit »2nd World« vom befreundeten Electronic-Duo HBVO, das wunderbar trockene Drums auffährt inklusive lässiger Bläser-und Gitarrenparts. »2nd World« ist ein klassischer Sehnsuchtssong, der zurecht nachdenklich stimmt. »2nd World« bildet aber auch eine Art Klammer mit »This World«, dem +1 im EP-Titel, der einzigen Eigenkomposition. »This World« beginnt beinahe wie ein Chris-Isaak-Stück, mausert sich aber zu einem luziden Clara-Luzia-Band-Song. Der härteste Stoff kommt ganz zum Schluss: Fast bis auf die Knochen abgemagert interpretiert die Band staubtrocken mit schroffer Gitarren- und Bassarbeit »Victory«, einen Knaller von PJ Harveys Debütalbum »Dry«. Man fühlt sich dabei um fast 30 Jahre in der Zeitrechnung zurückversetzt, was in diesem Fall aber keineswegs negativ gemeint ist. Noch älter ist auf der EP nur »It’s a Sin«, erschienen im Sommer 1987 und heute ein absoluter Klassiker!