Carnivore

Carnivore«, »Retaliation

Roadrunner

Real shit revisited. Es gibt nichts soziopolitisch lehrreicheres als sich die eigene gesellschaftliche Gülle vor die Fresse zu halten. Platte Witzfiguren wie Eminem sind zur Visualisierung der durch PC-Presseeliten verschwiegenen und mitgeschürten Dauermißstände wie Rassismus, Sexismus, Misogynie eindeutig zu wenig. Roadrunner hat bei seinen Reissues (unter anderem die exzellente »Anthology«-Werkschau von Obituary) sicher andere Absichten, aber Zweck heiligt bekanntlich. Schließlich naht ein Best Of- und Neuling von Peter Steeles »Ich fick gerne Gothgirls!«-Notpeinlichkeit Type O Negative. Was der Playgirl-Centerfold und vokale Vaginavampirist Mitte der 80er »angestellt« (und Type O den Naziruf eingebracht) hat, stellt das Gesamtwerk von Carnivore dar. Notentbunden in den Brooklyner Metall, Skin und Punk Communities, soff und prügelte man sich mit zur Spitze des New York Hardcore. War dieser ideologisch schon immer verschrien, setzte Carvivore noch eins, notfalls mit Odin-Wear und Hammer drauf. Die Pose: Street Warrior Machismo. Die Musik: Sub-Europe-Schweinemetall mit Slayer spechtelndem Grindfaktor, good ole boy Rudelchants und miserable Sensibelpassagen. Am populären Zweitling, rasant herber Metalcore, straight und stumpf serviert, von der Zeit als wegweisend aber schlampig identifizierbar. Die Texte, vorgetragen mit R rollender Shakespeare-Dilletanz einer High School Zahnspange: Over the Top Gewaltkonservatismus. Der Mann ist zum Hassen, Kriegen und Töten geboren. Die Rassen sind alle gleich in ihren Drang sich gegenseitig aufzuschlitzen. Frauen sind verlogen und mit Faust und Schwanz gut anzugreifen. Von »Male Supremacy« bis zu »The Subhuman« ästhetisch wie inhaltlich perfekte Plateaus menschlicher Letztklassigkeit. Damit ein wichtiges Zeitdokument der Reaganomics am Everyday-Arschloch-Level, das in keiner Schule fehlen darf.