BOJ

Gbagada Express

Moves

»Gbagada Express« ist das zweite Album von Bolaji Odojukan alias BOJ (ausgesprochen »bodsch«). Der 28-jährige Künstler mit britisch-nigerianischen Wurzeln lebt heute in Lagos und ist als Teil des Kollektives DRB LasGidi in der lokalen Afrobeats-Szene aktiv, die das westafrikanische Musikerbe mit Elementen aus R’n’B, Rap und Dancehall verbindet. Er selbst nennt neben nigerianischen Musiker*innen wie Lagbaja, Asa und Fela Kuti auch Lauryn Hill, Sean Paul und Toni Braxton als prägend – Einflüsse, die sich aus dem Album durchaus heraushören lassen. Dieses umfasst 16 Stücke, die größtenteils in Zusammenarbeit mit anderen Musiker*innen entstanden sind. Zwischen Afrobeats-Größen wie Wizbit (»Awolowo«, gemeinsam mit DarkoVibes), Davido (»Abracadabra«, gemeinsam mit Mr Eazi) oder Amaarae (»Money & Laughter«) und vielen, außerhalb der Szene noch wenig bekannten Artists, sticht vor allem das Stück »Culture« heraus, das gemeinsam mit der Londoner Rapperin ENNY entstanden ist. Darin loten die beiden auf der Basis eines minimalistischen Gitarrenloops das Spannungsfeld zwischen britischer und nigerianischer (Musik-)Kultur aus. In diesem Bereich stellt der britische Superstar Skepta nur die Spitze des Eisbergs dar, denn tatsächlich reicht diese Linie mit Seal, Sade oder Shirley Bassey deutlich weiter in die Vergangenheit als gemeinhin angenommen (siehe dazu Lanre Bakare im »Guardian«). Ein anderes Beispiel für diese fruchtbare Verbindung stellt die Zusammenarbeit mit Obongjayar (»Action Boyz«) dar, der Ende 2021 gemeinsam mit Little Simz (ebenfalls mit britisch-nigerianischen Verbindungen) mit »Point and Kill« für einen veritablen Hit inklusive schön-schaurigem Video sorgte. Hier geben sich Obongjayar und BOJ hingegen etwas gedämpft und blicken hinter die Kulissen der »Action Boyz«. So sprechen manche Textpassagen auf »Gbagada Express« durchaus auch ernste Themen an, während die für R’n’B und HipHop genreprägenden Übertreibungen eher hintergründig eingesetzt werden. Wer BOJ und seine Mitstreiter*innen deshalb unterschätzt, könnte »Gbagada Express« mit seinen allzu eingängigen Hooklines allzu schnell als seichten Pop abtun; die subtilen Verschiebungen und Effekte werden bei Afrobeats jedoch ganz bewusst gesetzt und eignen sich im Sinne von Babhas Idee von Mimikry dazu, westliche Hörgewohnheiten zu untergraben. Daraus ergibt sich auch eine Stärke von BOJs »Gbagada Express«, das die Zuhörer*innen auf eine Reise durch das postkoloniale Kontinuum mit Ausgangspunkt Lagos einlädt.