Pharmakon

»Bestial Burden«

Sacred Bones

Seit »Abandon« (2013) kennen wir Pharmakon als musikalisches Ventil der New Yorkerin Margaret Chardiet. Damit erforscht sie die Abgründe ihrer Existenz, um durch deren Offenbarung innere Integrität zu erreichen. Nach »Abandon« hatte sich Chardiet einer Operation unterziehen müssen und in der Folge eines ihrer inneren Organe verloren. Das aktuelle Album ist das Ergebnis des Zustandes, in dem der Körper sich vom Geist trennt. Oder, wie der wütendste Track darauf heißt: »Body Betrays Itself«. Die Stimme als Ausdrucksinstrument des Körpers wird zu ihrer stärksten Waffe. Wie das Albumcover ahnen lässt, geht es bei »Bestial Burden« um mehr als das bestechende Beieinandersein vom Schönen und Ekelhaften der menschlichen Psyche. Chardiet konfrontiert sich und die HörerInnen diesmal auch mit der »Hülle«: »Bestial Burden« ist viel körperbetonter als sein Vorgänger. Es fängt mit hektischem Atmen an, das sich zu einem Rhythmus entwickelt, und weitet sich mit Husten, Schreien und hysterischem Lachen aus. Das Album befreit sich noch ein Stück weiter von »klassischen« digitalen Chaos-Strategien vieler Power Electronics-/Noise-Acts und lässt seine einzelnen Teile für sich sprechen. Es gibt immer etwas Eingängiges bei Pharmakon, sei es ihr alptraumhaftes Erzählen oder repetitive Schläge auf Instrumente wie etwa eine präparierte Stahlplatte. Nicht nur ihre Existenz als Frau in der Noise-Szene macht Chardiet auffällig, sondern auch, dass sie mehr ist als eine böse Klangterroristin. Die Art, wie sie ihre Seele öffnet, ist gleichzeitig persönlich und distanziert. Wie ihre Konzerte, wo sie die Zuschauer in ihren Bann zieht, sich ihnen körperlich aufdrängt und plötzlich verschwindet und sie mit Fragen hinterlässt. Ihr Künstlername ist höchst stimmig gewählt: gleichzeitig Gift und Heilmittel.