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Fortner Anderson gilt als einer der ersten spoken word -Künstler überhaupt, bekannt für eindrucksvolle Performances und acapella-Lesungen. Seit 1976 lebt und arbeitet der gebürtige Amerikaner in Montréal. »Annunciations« ist sein vierter Longplayer. Das gilt in diesem Fall dreifach, denn wir haben es mit einer Triple-CD zu tun, allerdings jeweils eher in halber bis ganzer LP-Länge. Es gibt vermutlich gute Gründe, warum sich diese neun Stücke von neun verschiedenen Komponisten auf drei CDs verteilen, allein, man kennt diese vermutlich nur, wenn man das dazugehörige »book of poems« besitzt. Denn kompositorisch liegen zwischen den neun Herren teilweise Welten und auch der Umgang mit dem Sprach- oder Lesematerial Fortners ist in manchen Fällen mit radikal noch halbwegs harmlos beschrieben. Bei Christian Kestens Remix etwa sind wir nahe dran an Heinrich Bölls berühmter Kurzgeschichte »Dr. Murkes gesammeltes Schweigen« bzw. in diesem Fall eher »Dr. Andersons gesammeltes Räuspern«. Na gut. Beeindruckend an »Annunciations« ist, wer hier quasi vertont. Neben Kesten treten auf: John Berndt, Christian Calon, Martine Crispo, Ned Bouhalassa, Chantal Dumas, Andy Williams, sowie Nicolas Bernier und Alessandro Bosetti. Vor allem die letztgenannten Herren haben großartig eigenständige Arbeiten abgeliefert, Bosetti mit »Der italienische Manierismus«, Bernier mit »Strings.Lines.« und stechen daher nicht von ungefähr ein wenig heraus. Insgesamt eine durchaus stimmige, fast ein wenig demonstrative Sache. Wer heimlich Gedichte (der jede andere Spielarten von Poesie) verfasst und schon mal daran gedacht hat, die eigenen Texte durch die zeitgenössische Avantgarde vertonen zu lassen, hört hier hinein und weiß danach, ob bzw. auf welche Art davon er/sie das wirklich will.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
04.04.2013

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