Godspeed You! Black Emperor

»Allelujah! Don't Bend! Ascend!«

City Slang

Weil sie auf früheren Alben »Amerika« als »Dritte-Welt-Land« sowie »kapitalistische Todesmaschine« einstuften, wirft ihnen das einst gar fortschrittliche »SPIN«-Magazin nun dumpfbackengleich ein »cheesy college-green moralizing« und »occupying a cactus« vor. Sei?s drum. Wie mein Hippie-Opa schon seit geraumer Zeit zu sagen pflegt: »Once we were part of the solution, now we are part of the problem.«

Während Radiohead seit Dekaden nach dem State of Electro-Rock hecheln und zumeist doch nur recht biedere Kost verabreichen (ausgenommen hiervon seien Soloprojekte von Gitarrist Jonny Greenwood), versteht es die (erweiterte) kanadische Post-Rock-Band Godspeed You! Black Emperor bereits seit Ewigkeiten Postpunk-Ästhetik mit Noise/Drones derart frisch zu verquicken, dass zum einen der Boulevard gerne »Chaos!Apokalypse!« aufschreit und zum anderen der Independent Rock, fernab von Retro, Glitzer sowie Popfaserschmeichler, einen zeitgemä&szligen Ausdruck gefunden hat. – Mit »Allelujah! Don?t Bend! Ascend!« stehen Godspeed You! Black Emperor nun, zu Jahresende, in vorderster Post-Rock-Front, gleich neben den Alben der Liars (»WIXIW«) und The Swans (»The Seer«).

Auf ihrem ersten Album nach einer längeren Bandpause (die von 2003 bis 2010 dauerte; Grund: zahlreiche Nebenprojekten der Bandmitglieder) kondensieren Godspeed You! Black Emperor so ziemlich das Beste ihres bisherigen Schaffens: die zwei langen Zwanzig-Minuten-Songs »Mladic« und »We Drift Like Worried Fire« können Fans bereits von ihrem Live-Set her bekannt sein (dort hie&szligen sie »Albanian« beziehungsweise »Gamelan«). Mit den beiden kürzeren Drone-Stücken »Their Helicopters Sing« (6:30) und »Strung Like Lights at Thee Printemps Erable« (6:32), erreicht das Album eine Spielzeit von 53 Minuten. Und das garantiert ohne Füllmaterial. Kompromissloser, orchestraler Kammermusik-Noise trifft auf epische sowie hypnotische Stücke und mäandernde Drones. Indie-Herz, was willst du mehr?!

Apropos. Zum naiven Vorwurf, Musik solle sich nicht in Politik einmischen melden sich Godspeed You! Black Emperor kompetent zu Wort: »What’s political music? All music is political, right? You either make music that pleases the king and his court, or you make music for the serfs outside the walls. It’s what music (and culture) is for, right? To distract or confront, or both at the same time? So many of us know already that shit is fucked.« (Zitat aus dem exzellenten Interview von Maddy Costa im »Guardian«.

Live: Godspeed You! Black Emperor, Support: Trapist, Arena Wien/Big Hall, Mo. 12. 11. 2012, Einlass 19 Uhr.