Peggy Sue

»Acrobats«

Pias

Das Trio aus Brighton, dessen Name mit dem Buddy-Holly-Klassiker genauso viel zu tun hat wie Kreisky mit dem gleichnamigen Politiker, gibt das Stichwort gleich selbst in ihrem Beipackzettel zur CD: Post-Folk. War auf dem Vorgängeralbum »Fossils And Other Phantoms« noch die akustische Gitarre das vorherrschende Werkzeug des Vertrauens, um relativ konventionelle Songs zu schmieden, wurde auf »Acrobats« der gro&szlige Sprung nach vorn gewagt. Schon im sechsminütigen Titeltrack »Cut My Teeth« ist der prägnante zweistimmige Frauengesang in verspielte Harmonien eingebettet, in denen man die Hooklines und Refrains gerade mal erahnen kann. Erst langsam erschlie&szligt sich einem der Reiz dieser Musik. Die Gitarrenparts – nun vorwiegend elektrisch – sind ineinander verwoben wie selbstgestrickte Wollsocken, erinnern an amerikanische Indie-Grö&szligen der achtziger Jahre wie die Breeders und die Throwing Muses. Auch Reminiszenzen an den Psychedelic Folk der späten sechziger Jahre oder den verqueren Post-Punk à la Slits und Raincoats klingen durch – ohne dass man hier das Gefühl hat, hier kupfere jemand ab. Trotz aller Assoziationen scheint da eine Band ein durchaus einzigartiges Rezept gefunden zu haben, das sein letztes Geheimnis nicht preisgibt, die Spannung aufrecht erhält und neugierig macht auf mehr.

Die Produktion von John Parish, der auch schon mit PJ Harvey, 16 Horsepower und Giant Sand zusammengearbeitet hat, ist dabei angenehm minimalistisch geraten. Auf Overdubs wurde weitgehend verzichtet. Ab und an quietscht im Hintergrund eine Geige, sonst reduzieren sich die Arrangements auf die Rock-Basisbesetzung von Gesang, Bass, Gitarren – und ein Skelett von einem Schlagzeug. Richtig laute und vorantreibende Stücke sind auf »Acrobats« eher die Ausnahme. Dennoch sind gerade sie es, die die Höhepunkte auf diesem Album setzen und für wahrlich magische Momente sorgen, wie etwa auf »All We’ll Keep« oder dem Schlusstitel »There Always Was«.