Weyes Blood

»Titanic Rising«

Sub Pop

Nachdem diverse Widerbelebungsversuche des Titanic-Stoffes mehr als in die Hose gingen (»Titanic« von Steven Spielberg und sämtliche Nachfolger) und wir auf die Jungfernfahrt der Titanic II noch mindestens bis 2022 warten müssen, lohnt es, sich von diesem Quatsch ab- und guten Dingen zuzuwenden: zum Beispiel dem neuen Album von Natalie Mering a.k.a Weyes Bood. Als Teil von Jackie-O Motherfucker und mit einer Handvoll Veröffentlichungen hat sie sich schon einen Namen gemacht, jetzt allerdings wirft sie mit »Titanic Rising« einen Goldschatz auf den Tisch und dürfte damit Massen wie Nischen gleichermaßen begeistern. »Titanic Rising« ist zugänglicher, aber nichtsdestoweniger »tiefgründiger« Pop. Starke Gefühle birgt sie da, lässt sie in die schön arrangierten Songs einfließen, zuckersüß und unfassbar melancholisch, wie »Andromeda«, der zweite Song des Albums, der Fans von Jason Molinas todtraurigem »Farewell Transmission« Tränen in die Augen schießen lässt (wenn das nicht schon bei der Eröffnungsballade »A Lot’s Gonna Change« passiert ist). Auf der Über-Single »Movies« fängt sie textlich und instrumental gekonnt die Versprechen der Unterhaltungsindustrie der 1980er-Jahre ein. Zum Weinen schön. Auch auf »Wild Time« und den folgenden Stücken ist ihr Gesang unverwechselbar gut, die Melodien verzaubern ungemein. Mit ihrem Sound beschwört Weyes Blood die Versprechen der 1970er- und 1980er-Jahre herauf, die gepaart mit den Ängsten (Einsamkeit, vergebliche Liebe, Trennung etc.) der Jetztzeit Hochkonjunktur feiern. Wunderbare Musik, um die ersten Sonnentage des Jahres erträglich zu machen.