The Real McCoy

Dan Penn mag dem Rock-&-Pop-Publikum einigerma&szligen vertraut sein, immerhin hat er für die Box Tops »The Letter« produziert, ein Lied, das Alex Chilton, damals noch ein Teen, 1966 an die Spitze der Charts sang. Die Box Tops waren eine so genannte Blue-Eyed Soulband, und Penn mochte Rockmusik eigentlich nie. Für die Box Tops schrieb Penn auch den Hit »Cry Like A Baby« zusammen mit Spooner Oldham. Und der befindet sich auf vorliegender Compilation »Sweet Inspiration – The Songs of Dan Penn & Spooner Oldham« (Ace), aber in der Version von Arthur Alexander, einem der ganz Gro&szligen des Southern Soul, aus dessen Feder »You Better Move On« stammt, das die Stones mehr oder weniger so übernahmen, wie er es im Original sang. Und auch Willy DeVille coverte den Song. Aufgenommen wurde er in den FAME-Studios, Muscle Shoals, Alabama, wo besagtes Komponisten- und Produzenten-Duo in den Sechzigern werkte – und für die Crème de la Crème der Southern- und Country-Soul-Szene jede Menge erstklassiger Songs, nicht alles Charts-Topper, fabrizierte: Für Percy Sledge »Out of Left Field«, die Metamorphose eines Trauermarschs zum Liebeslied, mit dem diese Compilation eröffnet. Für Charlie Rich, einen weiteren fabulösen Blue-Eyed-Soul-Entertainer, »A Woman Left Lonely«, das später – Rockfans wissen das – Janis Joplin neu aufnahm. Für die Box Tops »Everything I Am«, das als B-Seite zu »Neon Rainbow« erschien und wenig später von einem ominösen britischen One-Hit-Wonder namens Plastic Penny in die englischen Top 10 gehievt wurde. Solomon Burke, Patti LaBelle And The Bluebells, Irma Thomas – alle hier vertreten. Nein, »Dark End of the Street« gibt es hier nicht, da war nämlich nicht Oldham, sondern Chips Moman Co-Writer. Dafür aber »I’m Your Puppet« in der Version von Diane Warwick oder auch »Denver« von Ronnie Milsap. 24 Songs – 24 Gründe für diese Ace-Compilation.

laurel_aitken_boss_reggae.jpgReggae in England hatte immer seinen eigenen Klang. »Boss Reggae Sounds – Laurel Aitken Productions 1969-1971« (Pressure Drop/Cherry Red Rec.) widmet sich einer speziellen Spielart dieses Genres: Jeggay, Reggay, Boss Reggae, Skinhead Reggae – was aber nichts mit rechten Recken zu tun hatte, obwohl der Sound häufig sehr ruppig und raff war. Viele der hier kompilierten 30 Songs erinnern an amerikanischen Funk der Sechziger, Rufus Thomas insbesondere, James Brown auch. Aber halt mit der Betonung des Reggae-Beat. Die Hälfte der Songs ist Up-tempo-Rocksteady in der britischen Blue-Beat-Tradition. Da sind auch die Lyrics rude, slick & wicked. Titel wie »Cutting Blade«, »The Hole« oder »Funky Monkey« sagen alles. Dazwischen gibt es aber auch soulige Faserschmeichler, bei den schon die Namen der Sänger für sich sprechen: Winston Groovey oder Joe Lace brillieren im frühen Lovers-Fach. Rico Rodriguez bläst seine rauchige Zugposaune auf dem frühen Rasta-Instrumental »Zion I«, und es gibt einiges frühes DJing, das hei&szligt: Toasting, Rapping. Die Identitäten so manchen Sängers oder Musikers sind bis heute allerdings nicht endgültig zu klären, so gehen die Liner Notes der Frage nach, wer denn King Horror war. Wie dem auch sei: nuff funky monsters!