Noël Akchoté

»Sonny II - The Music of Sonny Sharrock«

Winter & Winter

Mit dem eifrigen Aufsammeln von Gitarrenplättchen-Bruchstücken während eines Konzertes Ende der 80er hat die Leidenschaft Akchotés für Sonny Sharrock begonnen. Fast zwanzig Jahre später hat er nun solo dieses sehr persönliche Tribut eingespielt. Persönlich zum Einen, weil nur gut eine Hälfte der versammelten Stücke aus der Feder Sharrocks stammen, und zum anderen weil Akchoté dessen Musik eher als Ausgangspunkt/Inspiration verwendet, seine eigene Sprache auf dem Instrument namens Gitarre zu entwickeln. Keine Wahrheiten sollen hier verbreitet werden (sowieso unmöglich), sondern Verbindungen hergestellt werden. Und wenn der Interpret im mitgelieferten Info Sharrock (natürlich nicht nur) als einzigen Free-Jazz-Gitarristen bezeichnet, dann verbindet sich das schön mit dem, was mir Peter Brötzmann einmal auf die Frage nach der Zusammenarbeit mit Gitarristen geantwortet hat: »Sonny ist leider tot.« Die ebenfalls im Info angesprochene Befreiung des Instruments war mir als Teenager nicht ganz nachvollziehbar, weil ich nur Sharrocks späte und für mich damals unwichtige Alben auf Enemy kannte. Pharoah Sanders, Last Exit, frühere Solo-Scheiben und weitere fantastische Laswell-Zusammenarbeiten (Material, »Ask The Ages«) kamen bei mir chronologisch später, die Revidierung der Fehleinschätzung dauerte dann nur ein paar Sekunden. Die vorliegende Auseinandersetzung schöpft aus einer lückenlosen Studie des Primärmaterials und macht viel Lust darauf, es wieder neu/anders zu hören. Allein mit »Willy« (Blind? McTell?) zu eröffnen, drückt dir in Verbindung mit den im Booklet abgedruckten Fotos, einen anderen Blickwinkel förmlich aufs Auge. Das ist aber nur der Startpunkt. Ich wünsche eine angenehme Reise.