Saturnia

»The Seance Tapes«

Elektrohasch

Nach sechs Alben gedachten die 1996 gegründeten Saturnia aus Portugal, mal eine Zusammenstellung ihres Werks herauszubringen und sie »Seance Tapes« zu nennen. »Saturnia«. »Seance Tapes«. Obacht. Ein Album-Cover, nämlich das des 1996 veröffentlichten zweiten Longplayers »Muzak«, zeigte eine nackte Frauenbrust. In einem Video zum Song »Mindrama«: ein oberkörperfreier Drummer, ein langhaariger Keyboarder und ein Gitarrist mit zweihalsiger Gitarre. Wow, männlich. Es wird immer gruseliger. Man erwartet Schlimmes. Doch auf dem Label steht Elektrohasch. Das ist dieses liebe Label aus München, dessen äußerst sympathischer Boss zugleich Kopf von Colour Haze ist und Namen wie Hypnos 69, Causa Sui oder My Sleeping Karma unter Vertrag hat. Also vielleicht doch ganz okay? Man nehme das Piano von Gong, den Gesang von Marillions Steve Hogarth, den Jam-Sound einer x-beliebigen 1970s-Revival-Psychedelic-Band und schon hat man Saturnia. Könnte man meinen. Zugegeben, diese Verspacete, Hippie-esque, kulminierend im Einsatz von Sitars oder den indischen Trommeln, ist schon etwas zu einem Klischee geworden. Doch man kann gerne darüber hinwegsehen, da das Album – Achtung, Cringe-Floskel – einfach rockt. Multiinstrumentalist Luis Simões, der Saturnia als Soloprojekt fürs Studio startete, über die Jahre jedoch zu einem fixen Trio erweiterte, spielte dieses Best-of live ein und man merkt den Musikern an, dass sie alle in derselben, vertripten Stratosphäre schweben, wenn sie rohe, verdrogte Songs wie »I Am Utopia«, »Sunflower« oder »Cosmonication« runterholzen. Ein einfaches, rohes, trockenes Schlagzeug, Pink-Floydsche Keys, psychedelische Gitarrenschichten und dahingehauchter, sanfter Herrengesang. Wer von diesem bluminösen Hippiegedöns absehen kann, dem sei hier eine bombige, einstündige Jam geboten. Gerne.