Russel Simmins

Public Places

Grand Royal

Herrlich unseriöse Platte, die vom Anfangssample weg (»Walk On By« wieder einmal) gleich klarmacht, dass Seele nicht sein Ding ist, dafür aber eine stimmungsvolle Party zu feiern weiß. Etwas blöd muten die Coverfotos an, auf denen sich einmal zwei Models auf der Autorückbank räkeln, während Simmins‘ beschwörendes Augenpaar finster dreinblickt. Andere Motive: Herumlungernd in der Bar am Drink festgeklammert und einsam auf verlassener Landstraße in der Abenddämmerung trottend. Visuelle Klischees, die auch ihren musikalischen und textlichen Niederschlag in der seichten Formelhaftigkeit der einfach gestrickten Songs finden. Russel, der sonst bei der Blues Explosion nur trommelt, greift so tief wie geht in die Gimmickkiste, megaphoniert seine Vocals (die an Bob Moulds Sugar-Phase erinnern), gibt den Pseudo-Härtling oder auch den sanften Balladeur mit oberflächlich angeschweinten Texten. Keine originelle Großtat, aber ein Album mit Popmusik im Stil von Beck, Boss Hog oder Ween, wie sie dem Hörer stets willkommen ist.