Philippe Petit & Friends

»On Top…«

Aagoo Records

Für »On Top…« hat der französische Elektroniker Philippe Petit seine liebsten FreundInnen, MusikerInnen und SängerInnen zusammengekarrt, um dieses eigenartige Album aufzunehmen. Mit dabei sind u. a. Lydia Lunch, Jad Fair (Half Japanese, Daniel Johnston), Heike Aumüller vom Kammerflimmer Kollektief und, und, und. Man erwartet also eine Ansammlung extravaganter, durchmischter Stücke und befürchtet, das Ganze habe keinen roten Faden, wirke wild zusammengemischt. Doch Pustekuchen. Die Befürchtung ist richtig, aber unbegründet. Der erste Track überzeugt allein aufgrund des tollen Beitrags von Eugene S. Robinson, mit dem Petit (Vorsicht, Geschichtsstunde) bereits 2011 das Album »The Crying of Lot 69« aufnahm, bei dem Rhys Chatham die Trompete und Helena Espvall (die von Espers!) das Cello bediente. Man kennt sich also gut. Und das Ergebnis ist – nicht überraschend – großartig. Druckvolle, synthetische Trommel, zwischendurch abgelöst von rhythmischer Gitarre oder Klavier, bilden die Grundlage für Robinsons eindringlichen, zarten Gesang. Man merkt schnell, der gewünschte rote Faden ist mindestens existent in Form der elektronischen Sperenzchen, die Petit auf allen Kollaborationen nebst Arbeit an Zimbeln, Perkussion und anderem beisteuert. Das Ganze ergibt ein düsteres, jedoch äußerst liebreizendes Narrativ, eine spannende Dichte, über die jedeR einzelne KünstlerIn im Sprechgesang verwegene Nachrichten legt, so als ob sich Radiowellen aus anderen Zeiten aus dem Weltraum zurückspiegeln und hier wiederfinden. Auf »BaKalTag« steuert die vor allem in Belgien als Voice Artist, Performance Artist und so weiter agierende Maja Jantar wundersame, zwischenweltliche Stimmen, von Trompete und Harfe begleitet, bei. Äußerst stark, aber nicht erdrückend, einfach nur schön. Ein kurzes Interlude von Petit himself, urwaldtrommelnd. Wird es mal etwas aufwühlender, wie in »Black Dog«, mischen sich jedoch wieder beruhigende Melodien hinein, gefolgt vom Auftritt Lydia Lunchs, die vom elektronischen Psalterium (Harfeninstrument) begleitet wird. Lieblich. Das Album höhepunktet mit seinem letzten Stück, »On top of he Pyramid of the Sun in Teotihuacàn«, auf dem Heike Aumüller sich in über zehn Minuten Drone langsam die Pyramide hinauf trippt. Nicht jeder Song ist so stark wie der letzte, aber insgesamtes Fazit: Speziell.

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