Lena Andersson

»Söder Mälarstrand«

raster

Wer die Gelegenheit hatte, Lena Andersson bei einem ihrer Auftritte live mitzuerleben, sollte sich fragen, ob im Oberstübchen nicht bereits sämtlicher Hopfen und Malz verloren ist. Denn Lena Andersson existiert so eigentlich nicht bzw. nicht mehr. Die hier Gemeinte ist ein Produkt der Fantasie zweier Artists, nämlich der in Berlin ansässigen Künstlerin Kyoka und des Iren Eomac. Sie trafen sich in Stockholm und weiß der Teufel, was sie antrieb, sie kamen gut miteinander klar und machen nun ihr »Projekt«. In einem höllischen Machwerk aus Glitch und Techno, also dumpfen Schmetterbeats, verstörenden und verstörten Instrumentalteilchen, die schreiend durch die Gegend fliegen, wissen sie mit ihrem eigensinnigen Sound zu überzeugen. Ein äußerst homogenes Klangspektakel, aus dem man nicht heraushört, dass es aus Improvisationen und einer Call-&-Response-Arbeit entstand. Der Opener »Middle of Everywhere« sagt bereits alles, was im Laufe der zwölf Songs gesagt wird, voraus, gibt den Drive vor, der sich bis zum Ende nicht verlieren soll. »Das Tier« ist so ein Beispiel, wo die rhythmische Arbeit von Eomac perfekt den Rahmen für die nichtweltlichen Vocals von Kyoka liefert. Auch der raster(-noton) Cuts-and-Clicks-Sound scheint durch, Club-Track-mäßig wird auf »After 88 Years« geballert. »Profit Over People« hat was vom Industrial-Sound der Nine Inch Nails, mit seinen über 10 Minuten der längste und intensivste Track. Obendrauf: ein Feature von Mike Watt von den Minutemen und Seiki. Ja.